jungen Mieter die Apotheose nicht einmal so übel, und über-dies wandte er ihr, wenn er im Korbstuhl an seinem Arbeitstisch,einem einfachen grün gedeckten Ausziehtisch, sass, den Rückenzu. So liess er sie an ihrem Ort.
Ein kleines Harmonium, das ihn an alte Tage erinnern mochte,stand in dem Zimmer und war ihm dienlich. Da aber die Sena-torin sich meistens in einem rückwärtigen, gegen das Haus-gärtchen gelegenen Zimmer aufhielt und auch die Töchter vor-mittags unsichtbar blieben, so stand ihm auch der Flügel imSalon, ein etwas abgespielter, aber weichtöniger Bechstein,zu freier Verfügung. Dieser Salon nun, ausgestattet mit ge-steppten Fauteuils, bronzierten Kandelabern, vergoldetenGitterstühlchen, einem Sofa-Tisch mit Brokatdecke und einemreich gerahmten, stark nachgedunkelten Ölgemälde von 1850,welches das Goldene Horn mit dem Blick auf Galata darstellte,
- kurz, mit Dingen, die sich als Reste eines einst wohlhäbi-gen bürgerlichen Haushalts au erkennen gaben, war abends nichtselten der Schauplatz einer Geselligkeit in kleinem Kreise,zu der auch Adrian sich, anfangs widerstrebend, dann gewohn-heitsmässig hinzuziehen liess, um schliesslich, wie die Um-stände es mit sich brachten, ein wenig die Rolle des Haussoh-nes dabei zu spielen. Es war künstlerische oder halbkünst-lerische Welt, die sich da zusammenfand, eine sozusagen stu-benreine Boheme, gesittet und dabei frei, locker, amüsantgenug, um die Erwartungen zu erfüllen, die Frau Senator Roddebestimmt hatten, ihren Wohnsitz von Bremen nach der süddeut-schen Hauptstadt zu verlegen.
Ihre Bewandtnisse waren leicht zu durchschauen. Dunkel-äugig, das braune, zierlich gekräuselte Haar nur wenig er-graut, von damenhafter Haltung, elfenbeinfarbenem Teint undangenehmen, noch ziemlich wohlerhaltenen Gesichtszügen, hattesie ein leben lang als gefeiertes Mitglied einer patrizischenGesellschaft repräsentiert, einem dienstbotenreichen und ver-