Erfahrungen und erfüllten als solche lange eine Aufgabe vonvitaler Wichtigkeit: die Aufgabe der Organisation. Organisa-tion ist alles. Ohne sie gibt es überhaupt nichts, am wenig-sten Kunst. Und nun war es die ästhetische Subjektivität,die sich der Aufgabe annahm; sie machte sich anheischig, dasWerk aus sich heraus, in Freiheit zu organisieren.
- Du denkst an Beethoven.
- An ihn und an das technische Prinzip, durch das dieherrische Subjektivität sich der musikalischen Organisationbemächtigte, also die Durchführung. Die Durchführung war einkleiner Teil der Sonate gewesen, eine bescheidene Freistattsubjektiver Beleuchtung und Dynamik. Mit Beethoven wird sieuniversell, wird zum Zentrum der gesamten Form, die, auch
wo sie als Konvention vorgegeben bleibt, vom Subjektiven ab-sorbiert und in Freiheit neu erzeugt wird. Die Variationalso etwas Archaisches, ein Residum, wird zum Mittel spon-taner Neuschöpfung der Form. Die variative Durchführungbreitet sich über die ganze Sonate aus. Sie tut das bei Brahms,als thematische Arbeit, noch durchgreifender und umfassender.Nimm ihn als Beispiel dafür, wie Subjektivität in Objektivitätsich wandelt! Bei ihm entäussert sich die Musik aller kon-ventionallen Floskeln, Formeln und Rückstände und erzeugtsozusagen, die Einheit des Werks jeden Augenblick neu, ausFreiheit. Aber gerade damit wird die Freiheit zum Prinzipallseitiger Ökonomie, das der Musik nichts zufälliges lässtund noch die äusserste Mannigfaltigkeit aus identisch festge-haltenen Materialien entwickelt. Wo es nichts unthematischesmehr gibt, nichts, was sich nicht als Ableitung eines immerGleichen ausweisen könnte, da lässt sich kaum noch von freiemSatze sprechen...
- Aber auch nicht von strengem im alten Sinn.
- Alt oder neu, ich werde dir sagen, was ich unter stren-gem Satz verstehe. Ich meine damit die vollständige Integrie-
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