ob bei dem heutigen Stande unseres Bewusstseins, unserer Er-kenntnis, unseres Wahrheitssinnes dieses Spiel noch erlaubt,noch geistig möglich, noch ernst zu nehmen ist, ob das Werkals solches, das selbstgenügsam und harmonisch in sich geschlos-sene Gebilde, noch in irgend einer legitimen Relation stehtzu der völligen Unsicherheit, Problematik und Harmonielosig-keit unserer gesellschaftlichen Zustände, ob nicht allerSchein, auch der schönste, und gerade der schönste, heute zurLüge geworden ist.
Es fragt sich dies, sage ich, das heisst: ich lernte mich,so zu fragen durch den Umgang mit Adrian, dessen Scharfblickoder, wenn man das Wort bilden darf, Scharfgefühl in diesenDingen von letzter Unbestechlichkeit war. Meiner eigenen Gut-mütigkeit lagen von Hause aus Einsichten fern, wie er siegesprächsweise, als hingeworfene Apercus, äusserte, und sietaten mir weh, - nicht um meiner verletzten Gutmütigkeit, son-dern um seinetwillen* sie schmerzten, bedrückten, ängstigtenmich, weil ich gefährliche Erschwerungen seines Daseins, läh-mende Inhibitionen bei der Entfaltung seiner Gaben darin er-blickte. Ich habe ihn sagen hören:
- Das Werk! Es ist Trug. Es ist etwas, wovon der Bürgermöchte, es gäbe das noch. Es ist gegen die Wahrheit undgegen den Ernst. Echt und ernst ist allein das ganz Kurze,der höchst konsistente musikalische Augenblick...
Wie hätte mich das nicht bekümmern sollen, da ich dochwusste, dass er selbst auf das Werk aspirierte, die Kompo-sition einer Oper plante!
Ich habe ihn ebenso sagen hören:
- Schein und Spiel haben heute schon das Gewissen der Kunstgegen sich. Sie will aufhören, Schein und Spiel zu sein,
sie will Erkenntnis werden.
Was aber aufhört mit seiner Definition übereinzustimmen,hört das nicht überhaupt auf? Und wie will Kirnst als Erkennt-
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