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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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kunft verschmolzen* und sein kühler Blick auf den hypertrophi-schen Klangapparat des nach-romantisehen Riesenorchesters5das Bedürfnis nach seiner Kondensierung und seiner Zurückfüh-rung auf die dienende Rolle, die er zur Zeit der vorharmoni-schen, der polyphonen Vokalmusik gespielt; die Neigung zu die-ser und also zum Oratorium, einer Gattung, in der der Schöpferder "Offenbarung S. Johannis" und der "Weheklag Br. Fausti"später sein Höchstes und Kühnstes leisten sollte, - dies allestat sich sehr früh bei ihm in Wort und Haltung hervor.

Seine Orchestrationsstudien unter Kretzschmars Leitungwaren darum nicht weniger eifrig, denn er stimmte diesem darinzuy. dass man Errungenes beherrschen müsse, auch wenn man esnicht mehr für wesentlich erachte, und sagte einmal zu mir:ein Komponist, der den Orchester-Impressionismus satt habeund darum nicht mehr instrumentieren lerne, komme ihm vor wieein Zahnarzt, der keine Wurzelbehandlung mehr studiere undsich z\nn Reissbader rückbilde, weil neuestens entdeckt wordensei, dass man von toten Zähnen Gelenkrheumatismus bekommenkönne. Dieser sonderbar hergeholte und dabei für die geisti-ge Zeitlage so charakteristische Vergleich blieb dann als oftbenutztes kritisches Citat zwischen uns bestehen, und derdurch kunstreichste Y/urzelbalsamierung erhaltene "tote Zahn"wurde zum Symbolwort für gewisse Späterzeugnisse orchestralenPaletten-Raffinements, - einschliesslich seiner eigenen sym-phonischen Phantasie "Meerleuchten", die er noch in Leipzigunter Kretzschmars Augen, nach einer zusammen mit RüdigerSchildknapp unternommenen Perienreise an die Nordsee schrieb,und deren halb öffentliche Aufführung Kretzschmar gelegentlichherbeiführte. Es ist ein Stück ausgesuchter Tonmalerei, dasvon einem erstaunlichen Sinn für berückende, dem Ohr beim er-sten Hören fast unenträtselbare Klangmischungen Zeugnis gibt,und ein wohl trainiertes Publikum sah in dem jungen Verfassereinen hochbegabten Portsetzer der Linie Debussy-Ravel« Er

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