war es nicht und hat sein Leben lang diese Demonstrationkoloristisch-orchestralen Könnens fast so wenig zu seinereigentlichen Produktion gerechnet, wie die Handgelenklockerun-gen und Schönschreib-Übungen, deren er sich vorher unterKretzschmars Aufsicht befleissigte: die sechs- bis achtstim-migen Chöre, die Fuge mit drei Themen für Streichquinten undKlavierbegleitung, die Symphonie, deren Particell er ihmstückweise brachte und deren Instrumentation er mit ihmberiet, die Cello-Sonate in a-moll mit dem sehr schönen lang-samen Satz, dessen Thema er in einem seiner Brentano-Gesängewieder auf nehmen sollte. Jenes klangfunkehde "Meerleuchten"war ein in meinen Augen sehr merkwürdiges Beispiel dafür,wie ein Künstler sein Bestes an eine Sache zu setzen vermag,an die er insgeheim nicht mehr glaubt, und darauf besteht,in Kunstmitteln zu excellieren, die für sein Bewusstseinschon auf dem Punkte der Verbrauchtheit schweben. "Es ist ge-lernte Wurzelbehandlung", sagte er zu mir. "Für Streptokok-ken-Überschwemmung komm ich nicht auf." Dass er das Genredes "Tongemäldes", der musikalischen "Naturstimmung" für gründ-lich abgestorben erachtete, bewies jedes seiner Worte.
Um aber alles zu sagen, so trug schon dies glaubensloseMeisterstück koloristischer Orchesterbrillianz heimlich dieZüge der Parodie und der intellektuellen Ironisierung derKunst überhaupt, die sich in Leverkühns späterem Werk so oftauf eine unheimlich-geniale Weise hervortat. Viele fandendas erkältend, ja Zurücks tossend und empörend, und es warennoch die Besseren, wenn auch die Besten nicht, die so urteilten.Die ganz Oberflächlichen nannten es nur witzig und amüsant.
In Wahrheit war hier das Parodische die stolze Auskunft vorder Sterilität, mit welcher Skepsis und geistige Schamhaf-tigkeit, der Sinn für die tötliche Ausdehnung des Bereichsdes Banalen eine grosse Begabung bedrohten. Ich hoffe, dasrichtig zu sagen. Meine Unsicherheit und mein Verantwortungs-
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