gleich dessen, was der Schüler versucht, der Berlioz, Debuesyund die deutsche österreichische Spät-Romantik gehört und ge-lesen hatte, mit dem, was Gr&try oder Cherubini selbst getanhatten, gab Meister und Lehrling zu lachen. Kretzschmar ar-beitete damals an seinem eigenen Bühnenwerk, dem “Marmorbild”,und auch davon gab er dem Adepten eine oder die andere Szeneim Particell zur Instrumentierung und zeigte ihm dann, wieer selbst es gehalten, oder wie er es vorhabe, - Anlass zureichlichen Debatten, bei denen, versteht sich, in der Regeldie überlegene Erfahrung des Meisters das Feld behauptete,einmal aber wenigstens doch die Intuition des Neulings denSieg davontrug. Denn eine Klangkombination, die Kretzschmarauf den ersten Blick als unklug und misslich verworfen, leuch-tete ihm schliesslich als charakterischer ein, als was erselbst im Sinn gehabt, und bei der nächsten Zusammenkunfterklärte er, Adrians Idee übernehmen zu wollen.
Dieser war weniger stolz darauf, als man denken sollte.Lehrer und Schüler waren nach ihren musikalischen Instink-ten und Willensmeinungen im Grunde recht weit auseinander,wie ja in der Kirnst fast notwendig der Strebende sich aufdie handwerkliche Führung durch ein generationsmässig schonhalb entfremdetes Meistertum angewiesen sieht. Es ist dannnur gut, wenn dieses die heimlichen Tendenzen der Jugend docherrät und versteht, sie allenfalls ironisiert, aber sich hü-tet ihrer Entwicklung im Wege zu sein. So lebte Kretzschmarder selbstverständlichen, stillschweigenden Überzeugung, dassdie Musik ihre endgültig höchste Erscheinungs- und Wirkungs-form im Orchestersatz gefunden habe, - was Adrian nicht mehrglaubte. Für seine zwanzig Jahre war, anders als noch fürdie Älteren, die Gebundenheit der aufs höchste entwickeltenInstrumentaltechnik an die harmonische Musik-Conception mehrals eine historische Einsicht, - es war bei ihm etwas wieeine Gesinnung daraus geworden, in der Vergangenheit und Zu-
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