Stehen zwei, drei Akkorde an, weiss noch, was es war, weilmir das Klangphänomen gerade im Sinne lag. Modulation von H-nach C-dur, aufhellender Halbton-Abstand wie im Gebet desEremiten im Freischütz-Finale, bei dem Eintritt von Pauke,Trompeten und Oboen auf dem QuartSextakkord von C. Weisses im Nachher, wusste es aber damals nicht, sondern schlugeben nur an. Neben mich stellt sich dabei eine Bräunliche,in spanischem Jäckchen, mit grossem Mund, Stumpfnase undMandelaugen, Esmeralda, die streichelt mir mit dem Arm dieWange. Kehr ich mich um, stoss mit dem Knie die Sitzbankbei Seite und schlage mich über den Teppich zurück durchdie Lusthölle, an der schwadronierenden Zatzenmutter vorbei,durch den Flur und die Stufen hinab auf die Strasse, ohnedas Messinggeländer nur anzufassen.
Da hast du den Petzen, so mir begegnete, nach der lengeerzält, zum Entgelt für den brüllenden Rottenführer, den duartem metrificandi lehrst. Amen hiemit und betet für mich!
Nur ein Gewandhaus-Konzert bis dato gehört mit SchumannsDritter als piece de r§sistance. Ein Kritiker von damalsrühmte dieser Musik "umfassende Weltanschauung” nach, wassehr nach unsachlichem Geschwätz klingt, und worüber dennauch die Klassizisten sich weidlich lustig machten. Hatteaber doch seinen guten Sinn, da es die Standeserhöhung be-zeichnet, die Musik und Musiker der Romantik verdanken.
Sie hat die Musik aus der Sphäre eines krähwinkligen Spezia-listentums und der Stadtpfeiferei emanzipiert und sie mit dergrossen Welt des Geistes, der allgemeinen künstlerisch-intellektuellen Bewegung der Zeit in Kontakt gebracht, - mansollt es ihr nicht vergessen. Von dem letzten Beethovenund seiner Polyphonie geht das alles aus, und ich finde esausserordentlich vielsagend, dass die Gegner der Romantik,das heisst: einer aus dem Bloss-Musikalischen ins allgemeinGeistige hinaustretenden Kunst, immer auch Gegner und Bedauerer