der Beethoven* sehen Spätentwicklung waren. Hast du je dar-über nachgedacht, wie anders, wieviel leidend-bedeutenderdie Individualisierung der Stimme in seinen höchsten Werkensich ausnimmt, als in der älteren Musik, wo sie gekonnterist? Es gibt Urteile, die durch ihre krasse, den Urteilen-den kräftig kompromittierende Wahrheit belustigen. Händelsagte von Gluck: "Mein Koch versteht mehr vom Kontrapunkt,als er”, - ein mir teures Kollegenwort. Ein kritisch unver-ächtlicher Franzose, glühender Bewunderer Beethovens bis zurIX. Symphonie, erklärte um 1850, in diesem Werk eines ermat-teten Geistes herrsche die finstere Pedanterie eines talent-losen Kontrepunktisten. Kennst du die humoristische Begeiste-rung, mit der solche treffenden Fehlurteile mich erfüllen?Nichts ist wahrer, als dass Beethoven es in der Fuge nie zuder technischen Sicherheit, Fertigkeit, Leichtigkeit brachte,über die Mozart gebot. Eben darum besitzt seine Polyphonieeine Geistigkeit, die das Musikalische überwächst und erwei-tert.
Mendelsohn, für den ich, wie du weisst, viel übrig.habe,fing sozusagen mit Beethovens dritter Periode, i.e. mit demmehrstimmigen Stil gleich an, und das war mehr und anderesals Zelter-Schule. Alles, was ich gegen ihn einzuwenden habe,ist, dass ihm die Polyphonie zu leicht wurde. Er ist, trotzElfen und Nixen, ein Klassiker,
Spiele viel Chopin und lese über ihn. Ich liebe das En-gelhafte seiner Gestalt, das an Shelley erinnert, das eigen-tümlich und sehr geheimnisvoll Verschleierte, Unzulassende,sich Entziehende, Abendteuerlose seines Daseins, das Nichtswissen wollen das Ablehnen stofflicher Erfahrung, die sublimeInzucht seiner phantastisch delikaten und verführerischenKunst, Wie sehr spricht für den Menschen die tief aufmerk-same Freundschaft Delacroix’, der ihm schreibt: "J’espärevous voir ce soir, mais ce moment est capable de me faire
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