riel besser brauchen, als er glaube oder, der Ausrede halber,tu glauben vorgebe. Er, Kretzschmar, wolle die Präge offenlassen, wie weit es sich dabei um Selbstverleumdung handle,bestimmt, die korrespondierende Verleumdung der Kunst zu ent-schuldigen; denn diese als Kopulation mit der Menge, Kusshände-werfen, Gala-Repräsentation, als Blasebalg der GefühlsSchwel-lung hinzustellen, sei ja eine leichte Verkennung, und zwareine wissentliche. Es passiere ihm aber, dass er sich mitEigenschaften von der Kunst entschuldigen wolle, nach denendiese gerade verlange. Leute wie ihn, genau solche, habedie Kunst heute nötig, - und der Witz, der heuchlerisch ver-steckspielende Witz sei eben der, dass Adrian das ganz genauwisse. Die Kühle, die "rasch gesättigte Intelligenz", derSinn für das Abgeschmackte, die Ermüdbarkeit, die Neigung zumÜberdruss, die Fähigkeit zum Ekel, - dies alles sei ganzdanach angetan, die damit verbundene Begabung zur Berufungzu erheben. Warum? Weil es nur zum Teil der privaten Per-sönlichkeit angehöre, zum anderen Teil aber über-individuel-ler Natur und Ausdruck sei eines kollektiven Gefühls für diehistorische Verbrauchtheit und Ausgeschöpftheit der Kunstmit-tel, der Langenweile daran und des Trachtens nach neuen Wegen."Die Kunst schreitet fort", schrieb Kretzschmar, "und sie tutes vermittelst der Persönlichkeit, die das Produkt und Werk-zeug der Zeit ist, und in der objektive und subjektive Motivesich bis zur Ununterscheidbarkeit verbinden, die einen dieGestalt der anderen annehmen. Das vitale Bedürfnis der Kunstnach revolutionärem Fortschritt und nach dem Zustandekommendes Neuen ist angewiesen auf das Vehikel stärksten subjekti-ven Gefühls für die Abgestandenheit, das Nichts mehr zu sagenhaben, das Unmöglich geworden sein der noch gang und gäbenMittel, und es bedient sich des scheinbar Unvitalen, der per-sönlichen Ermüdbarkeit und intellektuellen Gelangweiltheit,des durchschauenden Ekels vor dem "Wie es gemacht wird", der
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