des Konzeptes für mich zu Papier gebracht, in Sonderheit dieStelle von der Abtrünnigkeit.
Er entschuldigte sich danach wegen der Abschweifung, diekaum eine war, und ging zu den praktischen Fragen über, wel-che Art von musikalischer Betätigung er denn ins Auge fassensolle, wenn er dem Drängen Kretzschmars folge. Er hielt ihmvor, dass er ja fürs solistische Virtuosentum von vornhereinund anerkanntermassen verloren sei; denn: "Was zur Nesselwerden soll, brennt bei Zeiten", schrieb er, und viel zu spätsei er mit dem Instrument in Berührung - überhaupt auf denGedanken gekommen, es zu berühren, woraus ja der mangelndeInstinkt-Antrieb in diese Richtung klar hervorgehe. Er seian die Tastatur geraten, nicht aus Lust, sich zu ihrem Mei-ster aufzuwerfen, sondern aus heimlicher Neugier auf dieMusik selbst, und ganz und gar fehle ihm das Zigeunerblutdes konzertierenden Künstlers, der durch die Musik und anläss-lich ihrer sich vor dem Publikum produziere. Dazu gehörtenseelische Voraussetzungen, sagte er, die bei ihm nicht er-füllt seien: das Verlangen nach Liebesaustausch mit der Men-ge, nach Kränzen, nach Katzbuckelei und Kusshänden im Bei-fallsgeprassel. - Er vermied die Ausdrücke, die eigentlichdie Sache bei Namen genannt hätten, nämlich dass er, selbstwenn er nicht zu spät daran gewesen wäre, zu schamhaft, zustolz, zu spröde, zu einsam fürs Virtuosentum sei.
Dieselben Gegengründe, fuhr er fort, ständen einer Lauf-bahn als Diregent im Wege. So wenig wie zum Instrumental-Gaukler fühle er sich zur stabführenden Frack-Primadonnavor dem Orchester, zum interpretierenden Botschafter und Gala—,Repräsentanten der Musik auf Erden berufen. Hier entschlüpf-te ihm doch ein Wort, das in den Bereich derer gehörte, dieich soeben als eigentlich sachdienlich einsetzte: er sprachvon Weltscheu. "Weltscheu" nannte er sich und wollte damitnichts zu seinem Lobe gesagt haben. Diese Eigenschaft urteilte
19.8