"Ich fürchte”, schrieb er, ”lieber Freund und Meister, ichbin ein schlechter Kerl, denn ich habe keine Wärme. Es heisstzwar, verflucht und ausgespieen seien die, die weder kalt nochwarm, sondern lau sind. Lau möchte ich mich nicht nennen;ich bin entschieden kalt, - aber in meinem Urteil über michselbst bitte ich mir Unabhängigkeit aus von dem Geschmackder Segen und Fluch verteilenden Macht.”
Er fuhr fort:
”Lächerlich zu sagen, aber auf dem Gymnasium war es nocham besten, ich war dort ziemlich recht noch am Ort, darum,weil die höhere Vorschule das Verschiedenste, eins nach demanderen, austeilt, von fünfundvierzig zu fünfundvierzig Minu-ten die Gesichtspunkte einander ablösen, kurz, weil es nochkeinen Beruf gibt. Aber schon diese fünfundvierzig Fach-Minuten weilten mir zu lange, machten mir Langeweile - daskälteste Ding von der Welt. Nach fünfzehn, spätestens, hatteich los, woran der gute Mann mit den Buben noch dreissigkaute; beim Lesen der Schriftsteller las ich voran, hatteübrigens schon zu Hause voran gelesen, und blieb ich eineAntwort schuldig, so darum nur, weil ich voran und eigent-lich schon in der nächsten Stunde war, dreiviertel StundenAnabasis, das war zu viel von ein und demselben für meineGeduld, und des zum Zeichen stellte das Hauptweh sich ein”(damit meinte er seine Migräne), ” - das Hauptweh kam nievon Ermüdung durch Mühe, es kam von Überdruss, von kalterLangerweile, und lieber Meister und Freund, seit ich kein vonFach zu Fach springender Junggeselle mehr bin, sondern ver-heiratet mit einem Beruf, einem Studium, hat es sich zusam-men mit ihr ins oft schon recht Arge verstärkt.
''Grosser Gott, Sie werden nicht glauben, dass ich michfür zu schade halte für jeden Beruf. Im Gegenteil: es istmir schade um jeden, den ich zu dem meinen mache, und Siemögen eine Huldigung für - eine Liebeserklärung an die Musik
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