es ist Sache seines Stolzes, der ihn hindert, epigonenhafteMusik in die Welt zu setzen."
Ich konnte alldem nur beipflichten. Auf die beschützendeSorge der Mutter aber verstand ich mich auch aus dem Grundeund fühlte mich oft bis zur Feindseligkeit gegen den Werbermit ihr solidarisch. Wie vergesse ich ein Bild, eine Szeneim Wohnzimmer des Bucheihauses, als wir dort zufällig zuviert, Mutter und Sohn, Kretzschmar und ich, beisammen sassenund Elsbeth im Gespräch mit dem blubbernd und pustend inhi-bierten Musiker, - einer blossen Unterhaltung, bei der durch-aus nicht von Adrian die Rede war, - den Kopf des bei ihrsitzenden Sohnes auf eigentümliche Weise an sich zog. Sieschlang gleichsam den Arm um ihn, aber nicht um seine Schul-tern, sondern um sein Haupt, die Hand auf seiner Stirn, undso, den Blick ihrer schwarzen Augen auf Kretzschmar gerich-tet und mit ihrer wohllautenden Stimme zu ihm sprechend, lehn-te sie Adrians Kopf an ihre Brust. -
Übrigens hielten nicht nur diese persönlichen Wiederbegeg-nungen das Verhältnis zwischen Meister und Schüler aufrecht,sondern auch ein ziemlich häufiger, ich glaube: etwa vierzehn-tägiger Briefwechsel zwischen Halle und Kaisersaschern tatdas, über den Adrian mir von Zeit zu Zeit berichtete, und vondem ich auch einzelne Stücke zu sehen bekommen habe. DassKretzschmar wegen der Übernahme einer Klavier- und Orgelklassemit dem Hase*sehen Privat-Konservatorium in Leipzig verhan-delte, welches damals neben der berühmten staatlichen Musik-schule dieser Stadt sich eines wachsenden Ansehens zu erfreu-en begann und dieses in den nächsten zehn Jahren, bis zu demTode des ausgezeichneten Pädagogen, Clemens Hase, noch immermehrte, (jetzt spielt es längst keine Rolle mehr, wenn esnoch existiert) - erfuhr ich schon Michaelis 1904. Zu Beginndes nächsten Jahres verliess Wendeil dann Kaisersaschem, umseine neue Stellung anzutreten, und von da an ging denn also
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