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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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Adrians älterem Freund, der seine Tätigkeit noch dazu alsbestallter Mann, im Dienste der Kirche übte, vollen Respektentgegenbrachte. Dennoch beobachtete ich während der zwei-einhalb Tage, die ich einmal gleichzeitig mit ihm und Adrianauf Buchei verbrachte, eine gewisse, durch Freundlichkeitnicht ganz verhüllte Gezwungenheit, Zurückhaltung, Ablehnungin ihrem Verhalten gegen den Organisten, die dieser, wie ge-sagt, mit einer ein paarmal bis zum Kalamitosen gehenden Ver-stärkung seines Stotterns beantwortete - schwer zu sagen,ob nur aus dem Grunde, weil er ihr Unbehagen, ihr Misstrauen,oder wie man es nennen soll, spürte, oder weil er schon vonsich aus, spontan, bestimmten Hemmungen der Scheu und derVerlegenheit vor der Natur dieser Frau unterlag.

Was mich betraf, so zweifelte ich nicht, dass die eigen-tümliche Spannung zwischen Kretzschmar und Adrians Muttersich auf diesen bezog, dass er ihr Gegenstand war, und ichspürte das, weil ich in dem stillen Streit, der hier herrsch-te, mit meinen eigenen Empfindungen zwischen den Parteiendie Mitte hielt, mich der einen und auch wieder der anderenzuneigte. Was Kretzschmar wollte, und wovon er auf jenenSpaziergängen mit Adrian sprach, war mir klar, und meine ei-^genen Wünsche -unterstützten ihn insgeheim. Ich gab ihm Recht,wenn er, auch im Gespräch mit mir, die Berufung seines Schü-lers zum Musiker, zum Komponisten mit Entschiedenheit, ja mitDringlichkeit vertrat. "Er hat", sagte er, "auf die Musik denkompositorischen Blick des Initiierten, nicht den der Aussen-stehenden, vag Geniessenden. Seine Art, Motiv-Zusammenhängeaufzudecken, die ein solcher nicht sieht, die Gliederung ei-nes kurzen Abschnitts gleichsam in Frage und Antwort wahrzu-nehmen, überhaupt zu sehen, von innen zu sehen, wie es ge-macht ist, versichert mich meines Urteils. Dass er nochnicht schreibt, nicht produktiven Trieb bekundet und mitJugend-Kompositionen naiv loslegt, gereicht ihm nur zur Ehre?

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