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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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heit zu wiegen, war ein dankenswerter Umstand, und Adrian,der lange nichts mehr gesagt hatte, gab dem Ausdruck mit einpaar im Zurechtkuscheln hingesprochenen Worten:

- Ja, gute Nacht. Ein Glück, dass man's sagen kann.Diskussionen sollte man immer nur vorm Einschlafen halten,mit der Rückendeckung des wartenden Schlafs. Wie peinlich,nach einem geistigen Gespräch noch wachen Sinnes umhergehenzu müssen!

- Das ist aber eine Fluchtposition, murrte noch jemand,und dann ertönten die ersten Schnarchlaute in unserer Scheu-ne, befriedete Kundgebungen der Anheimgabe ans Vegetative,von der ein paar Stunden genügten, um der lieben Jugend dieSpannkraft zur Vereinigung von dankbar atmendem und schauen-dem Naturgenuss mit dem obligaten theologisch-philosophischenDebatten zurückzugeben, die fast niemals abrissen, und indenen man einander oponierte und imponierte, sich wechsel-seitig belehrte und förderte. Zur Juni-Zeit etwa, wenn ausden Schluchten der bewaldeten Höhen, die das Thüringer Beckendurchziehen, die schweren Düfte des Jasmins, des Paulbaumsquollen, waren es köstliche Wandertage hier durch das vonIndustrie fast freie, mild-begünstigte, fruchtbare Land mitseinen freundlichen Haufendörfern aus Fachwerkbauten? und

kam man dann aus der Gegend des Ackerbaus in die der vorwie-genden Viehzucht und verfolgte den sagenumwobenen Höhenpfaddes mit Fichten und Buchen bestandenen Kammgebirges, den''Rennsteig' 1 , der mit seinen Tiefblicken ins Werratal sichvom Frankenwald gegen Eisenach, die Hörselstadt, erstreckt,so wurde es immer schöner, bedeutender, romantischer, undweder was Adrian über die Sprödigkeit der Jugend vor derNatur noch was er über die Wünschbarkeit gesagt hatte, beigeistigen Disputen auf den Schlaf rekurrieren zu können,schien irgend welche typische Gültigkeit zu haben. Auch fürihn selbst galt es kaum, denn,falls nicht etwa die Migräne