Träger, die hier zu beschreiben sich aber erübrigt.
Die nächste Umgebung von Halle, eine sandige Ebene, istals landschaftlich reizlos preiszugeben, aber in wenig Stundenträgt einen der Zug saaleabwärts ins liebliche Thüringerland,und dort, meist schon in Naumburg oder Apolda (der Geburtsge-gend von Adrians Mutter), verliessen wir die Eisenbahn undsetzten die Reise mit unseren Rucksäcken und Regen-Kapuzen,recht als freie Burschen, auf Schusters Rappen fort, in tage-langen Märschen, auf denen wir unsere Mahlzeiten in Dorf-Wirtshäusern, oft auch auf flacher Erde, am Rand eines Gehöl-zes gelagert, einnaiimen und manche Nacht im Scheunenstroheines Bauernhofes verbrachten, um bei Tagesgrauen unsere Mor-gen-Reinigungund -Erfrischung am langen Trog eines laufendenBrunnens vorzunehmen. Solche interimistische Lebensform, dashospitierende Einkehren ■* r on Städtern und geistig Bestrebtenim Ländlich-Primitiven, bei Mutter Erde, in der Gewissheitjedoch, sehr bald wieder daraus in die gewohnte und "natür-liche" Sphäre bürgerlicher Bequemlichkeit zurückkehren zumüssen oder zu - dürfen: solche freiwillige Zurückschraubungund Vereinfachung hat leicht, ja fast notwendig einen Anflugvon Künstlichkeit, Gönnerhaftigkeit, Dilettantismus, Komik,der unserem Bewusstsein keineswegs ganz fremd war, und aufden denn wohl auch das gutmütig spöttische Schmunzeln sichbezog, womit mancher Bauer, den wir um Schlafstroh angingen,uns musterte. Was diesem Schmunzeln einiges Wohlwollen, jaZustimmung verlieh, war -unsere Jugend; und man kann ja sagen,dass Jugend die einzig legitime Brücke zwischen dem Bürger-lichen und dem Natürlichen ist, ein vorbürgerlicher Zustand,aus dem alle Studenten- und Burschenromantik sich ableitet,das eigentlich romantische Lebensalter. Auf diese Formelbrachte, der im Gedanklichen immer energische Deutschlindie Sache, als wir uns in einem Scheunengespräch vor Einschla-fen, im matten Licht einer Stallaterne, die in einer Ecke
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