in unserem Blut, und lag nicht im Zustande der Lüsternheitbereits viel Hingabe ans Böse? Hier wieder tat sich die dia-lektische Einheit von Gut und Böse hervor, denn Heiligkeit warohne Versuchung gar nicht zu denken, und nach der Fürchterlich-keit der Versuchung bemass sie sich, nach dem Sünden-Potentialeines Menschen,
Von wem aber ging die Versuchung aus? Wer war zu verflu-chen um ihretwillen? Man hatte leicht sagen, sie komme vomTeufel. Der war ihre Quelle, die Verwünschung jedoch galtdem Gegenstand. Der Gegenstand, das instrumentum des Versu-chers, war das Weib. Sie war damit freilich auch das instru-mentum der Heiligkeit, denn diese gab es nicht ohne tobendeSündenlust. Doch wusste man ihr dafür nur bitteren Dank.Vielmehr war es das Merkwürdige und tief Bezeichnende, dassobgleich doch der Mensch in beiderlei Gestalt ein Geschlechts-wesen war, und obgleich die Lokalisierung des Dämonischen inden Lenden eher auf den Mann passte, als auf das Weib, den-noch der ganze Fluch der Fleischlichkeit und der Geschlechts-sklaverei dem Weibe zugewälzt wurde, sodass es zu dem Spruchhatte kommen können: "Ein schönes Weib ist wie ein goldnerReif in der Nase der Sau". Wievieles dergleichen war nicht,aus tiefem Gefühl, von alters über das Weib gesagt wordenJEs galt aber der Begehrlichkeit des Fleisches im Allgemeinen,die mit dem Weibe in eins zu setzen war, sodass auch dieFleischlichkeit des Mannes aufs Konto des Weibes kam. Daherdas Wort: "Ich fand das Weib bitterer als den Tod, und selbstein gutes Weib ist unterlegen der Begehrlichkeit des Flei-sches."
Man hätte fragen können: Der gute Mann etwa nicht? Undder heilige Mann etwa nicht ganz besonders? Ja, aber daswar das Werk des Weibes, als welche die Repräsentantin sämt-licher Fleischlichkeit auf Erden war. Das Geschlecht war ihreDomäne, und wie hätte sie also, die Femina hiess, was teils