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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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nur wegen der äusseren Unflätigkeit dieser Verübung, sondernvor allem, weil die Verderbtheit des ersten Vaters als Erbsün-de dabei auf das ganze Menschengeschlecht übergegangen war.

Der Zeugungsakt, gekennzeichnet durch ästethische Scheusslich-keit, war Ausdruck und Vehikel der Erbsünde, - was Wunder,dass dem Teufel besonders viel freie Hand dabei gelassenwar? Hicht umsonst hatte der Engel zu Tobias gesagt: "Überdie, welche der Lust ergeben sind, gewinnt der Dämon Gewalt.Denn die Macht der Dämonen lag in den Lenden des Menschen,und diese waren gemeint, dort, wo der Evangelist sagte: "Wennein starker Gewappneter seinen Palast bewacht, so bleibt dasSeine in Frieden." Das war selbstverständlich geschlechtlichzu deuten* geheimnisvollen Worten war immer solche Bedeutungabzuhören, und hellhörig hörte gerade die Frömmigkeit sieihnen ab.

Erstaunlich war nur, als wie schwach sich gerade bei denHeiligen Gottes die Engelswacht allezeit erwiesen hatte, so-weit wenigstens der 'Friede" in Frage kam. Das Buch von denheiligen Vätern war voll von Berichten, dass, wenn sie auchaller fleischlichen Lust getrotzt hätten, sie doch mehr, alsglaublich, von der Begierde nach Weibern versucht worden wa-ren. "Mir ist gegeben der Stachel meines Fleisches, der En-gel des Satans, der mich mit Fäusten schlage." Das war so einGeständnis, abgelegt den Korinthern, und wenn auch der Brief-schreiber vielleicht etwas anderes damit gemeint hatte, diefallende Sucht oder dergleichen, - die Frömmigkeit jedenfallsdeutete es nach ihrer Art, - mit Recht wahrscheinlich am En-de, da wohl ihr Instinkt nicht fehlging, wenn er die Anfech-tung des Gehirns in dunkle Beziehung zum Dämon des Geschlech-tes brachte. Die Versuchung nun freilich, der man widerstand,war keine Sünde, sondern eben nur eine Prüfung der Tugend.

Und doch war die Grenze zwischen Versuchung und Sünde schwerzu bestimmen, denn war nicht jene bereits das Toben der Sünde

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