sehr war ihr das Leben durch die Unterworfenheit unter schmut-zige Sünde zum Ekel geworden. Welche schöne Geschlossenheitder Kultur aber sprach aus diesem harmonischen Einvernehmenzwischen dem Richter und dem Delinquenten und welche warme Hu-manität aus der Genugtuung darüber, diese Seele nooh im letz-ten Augenblick durch das Feuer dem Teufel entrissen und ihrdie Verzeihung Gottes verschafft zu haben!
Dies führte Schleppfuss uns zu Gemüte und liess uns bemer-ken - nicht nur, was Humanität auch sein könne, sondern wassie eigentlich sei. Ganz zwecklos wäre es gewesen, hier einanderes Wort aus dem Vokabular des freien Geistes zu gebrau-chen und von trostlosem Aberglauben zu sprechen. Schleppfussverfügte auch über dieses Wort, im Namen der "klassischen”Jahrhunderte, denen es nichts weniger als unbekannt gewesenwar. Ungereimtem Aberglauben war jenes Weib mit dem Incubusunterlegen und sonst niemand. Denn sie war abgefallen vonGott, abgefallen vom Glauben, und das war Aberglaube. Aber-glaube hiess nicht: an Dämonen und Incubi glauben, sondern eshiess, pestbringender Weise sich mit ihnen einlassen und vonihnen erwarten, was nur von Gott zu erwarten ist. Aberglaubenbedeutete Leichtgläubigkeit für die Einflüsterungen und An-stiftungen des Feindes des menschlichen Geschlechtes; derBegriff deckte alle Invokationen, Lieder und Beschwörungen,alle zauberischen Übertretungen, Laster und Verbrechen, dasFlageilum haereticorum fascinariorum, die illusiones daemo-num. So konnte man den Begriff "Aberglauben" bestimmen, sowar er bestimmt worden, und es war doch interessant, wieder Mensch die Worte benutzen und wie er damit denken kann?
Natürlich spielte die dialektische Verbundenheit des Bö-sem mit dem Heiligen und Guten eine bedeutende Rolle in derTheodizee, der Rechtfertigung Gottes angesichts des Vorhan-denseins des Bösen in der Welt, die in Schleppfussens Collegeinen breiten Raum einnahm. Das Böse trug bei" zur' Vollkommen-
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