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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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Freiheit war das Gegenteil angeborener Sündlosigkeit, Freiheithiess, nach eigenem Willen Gott die Treue wahren oder es mitden Dämonen treiben und beim Messopfer Entsetzliches murmelnzu können. Das war eine Definition, an die Hand gegeben vonder Religionspsychologie. Aber die Freiheit hat ja auch schonin anderer, vielleicht weniger spiritueller und doch des En-thusiasmus nicht barer Bedeutung im Leben der Erdenvölkerund in den Kämpfen der Geschichte eine Rolle gespielt. Sietut das auch eben jetzt, während ich diese Lebensbeschreibungverfasse, - in dem gegenwärtig tobenden Kriege und, wie ichin meiner Zurückgezogenheit glauben möchte, nicht zuletzt inder Seele und den Gedanken unseres deutschen Volkes, dem un-ter der Herrschaft kühnster Y/illkür vielleicht zum erstenmalin seinem Leben ein Begriff davon dämmert, was es mit derFreiheit auf sich hat. Hun, so weit waren wir damals nochnicht. Die Frage der Freiheit war, oder schien, zu unsererStudentenzeit nicht brennend, und Dr. Schleppfuss mochte demWort die Bedeutung geben, die ihm im Rahmen seines Collegszukam, andere aber beiseite lassen. Y/enn ich nur den Ein-druch gehabt hätte, dass er sie beiseite liess und, reinvertieft in seine religionspsychologische Auffassung, ihreruneingedenk war. Er war aber ihrer eingedenk, dieses Gefühlskonnte ich mich nicht entschlagen, und seine theologische Be-stimmung der Freiheit hatte eine apologetisch-polemischeSpitze gegen "modernere'*, das heisst: plattere und bloss gangund gäbe Ideen, die seine Zuhörer etwa damit verbinden moch-ten. Seht, schien er sagen zu wollen, wir haben das Wort auch,es steht uns zu Gebote, glaubt nicht, dass es nur in eueremWörterbuch vorkommt, und dass euere Idee davon die einzigvernunftgegebene ist. Freiheit ist eine sehr grosse Sache,die Bedingung der Schöpfung, das, was Gott hinderte, uns gegenden Abfall von ihm zu feien. Freiheit ist die Freiheit zusündigen, und Frömmigkeit besteht darin, von der Freiheit