alles, war das Böse, war der Böse selbst ein notwendiger Aus-fluss und ein unvermeidliches Zubehör der heiligen ExistenzGottes selbst; wie denn auch das Laster nicht aus sich selbstbestand, sondern seine Lust aus der Besudelung der Tugendzog, ohne welche es wurzellos gewesen wäre; anders gesagt:es bestand in dem Genuss der Freiheit, d.h. der Möglichkeit,zu sündigen, die dem Schöpfungsakt selbst inhaerent war.
Hierin drückte sich eine gewisse logische Unvollkommen-heit der Allmacht und Allgüte Gottes aus, denn was er nichtgekonnt hatte, war, der Kreatur, also dem, was er aus sichentliess, und was nun ausser ihm war, die Unfähigkeit zurSünde anzuschaffen. Lies hätte geheissen, dem Geschaffenenden freien Willen vorzuenthalten, sich von Gott abzukehren, -was eine unvollkommene Schöpfung, ja eigentlich überhaupt kei-ne Schöpfung und Entäusserung Gottes gewesen wäre. Das logi-sche Dilemna Gottes hatte darin bestanden, dass er ausserstan-de gewesen war, dem Geschöpf, dem Menschen und den Engeln,zugleich die Selbständigkeit der Wahl, also freien Willen,und die Gabe zu verleihen, nicht sündigen zu können. Fröm-migkeit und Tugend bestanden also darin, von der Freiheit,die Gott dem Geschöpf als solchem hatte gewähren müssen, einenguten Gebrauch, das heisst: keinen Gebrauch zu machen, - wasnun freilich, wenn man Schleppfuss hörte, ein wenig so heraus-kam, als ob dieser Nicht-Gebrauch der Freiheit eine gewisseexistenzielle Abschwächung, eine Minderung der Daseinsinten-sität der aussergöttlichen Kreatur bedeutete.
Freiheit. Wie seltsam das Wort sich ausnahm in Schlepp-fussens Munde! Nun, gewiss, es hatte darin eine religiöseBetonung, er sprach als Theolog, und er sprach keineswegswegwerfend davon, im Gegenteil, er zeigte ja die hohe Bedeu-tung auf, die bei Gott diesem Gedanken zukommen musste, daer Menschen und Engel lieber der Sünde blossgestellt hatte,als dass er ihnen die Freiheit vorenthalten hätte. Gut denn,
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