an der Vertrauenswürdigkeit unseres Denkens gründete, hinderteihn nicht nur nicht an einem strammen Offenharungsglauben,sondern auch daran nicht, mit dem Teufel auf sehr vertrautem,wenn auch natürlich gespanntem, Fusse zu stehen. Ich kann undwill nicht untersuchen, wieweit er an die persönliche Existenzdes Widersachers glaubte, sagte mir aber, dass, wo überhauptTheologie ist - und nun gar, wenn sie sich mit einer so saf-tigen Natur, wie der Ehrenfried Kumpfs, verbindet - auch derTeufel zum Bilde gehört und seine komplementäre Realität zuderjenigen Gottes behauptet. Man hat leicht sagen, dass einmoderner Theolog ihn "symbolisch" nehme. Nach meiner Meinungkann Theologie überhaupt nicht modern sein, was man ihr alsgrossen Vorzug anrechnen mag; und was die Symbolik betrifft,so sehe ich nicht ein, warum man die Hölle symbolischer neh-men sollte, als den Himmel. Das Volk hat das jedenfalls nie-mals getan. Ihm stand sogar immer die drastische, obszön hu-moristische Figur des Teufels näher, als die obere Majestät;und Kumpf war in seiner Art ein Volksmann. Wenn er von der"Hellen und ihrer Spelunck" sprach, was er gern tat - in die-ser archaisierenden Form, in der es sich zwar halb scherzhaft,zugleich aber viel überzeugender ausnahm, als wenn er aufneu-deutsch "Hölle" gesagt hätte - so hatte man keineswegsden Eindruck, dass er symbolisch redete, vielmehr entschie-den den, dass es "gut alt-deutsch, ohn* alle Bemäntelungund Gleissnerei" gemeint war. Nicht anders war es mit demWidersacher selbst. Ich sagte ja, dass Kumpf als Gelehrter,als Mann der Wissenschaft, der rationalen Kritik am Bibel-glauben Zugeständnisse machte und, wenigstens anfallsweise,im Ton intellektueller Biederkeit, manches "preisgab". ImGrunde aber sah er den Lügner, den bösen Feind gerade in derVernunft vorzüglich am Werke und liess sie selten zu Wortekommen, ohne hinzuzufügen: - Si Diabolus non esset mendax ethomicida! Ungern nannte er den Schädling geradeaus bei Na-
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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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