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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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Schillers und Goethe's auswendig gewusst zu haben. Dannaber war etwas über ihn gekommen, was mit der Erweckungsbe-wegung der Mitte des vorigen Jahrhunderts zusammenhing, unddie Paulinische Botschaft von Sünde und Rechtfertigung hatteihn dem ästhetischen Humanismus abwendig gemacht. Man musszum Theologen geboren sein, um solche geistigen Schicksaleund Damaskus-Erlebnisse recht würdigen zu können. Kumpf hattesich überzeugt, dass auch unser Denken gebrochen ist und derRechtfertigung bedarf und eben hierauf beruhte sein Libera-lismus, denn es führte ihn dazu, im Dogmatismus die intel-lektuelle Form des Pharisäertums zu sehen. Er war also zurKritik am Dogma auf gerade entgegengesetztem Wege gekommen,wie einst Descartes, dem im Gegenteil die Selbstgewissheitdes Bewusstseins, des cogitare, rechtmässiger erschienenwar als alle scholastische Autorität. Das ist der Unterschiedzwischen theologischen und philosophischen Befreiungen.

Kumpf hatte die seine in Fröhlichkeit und gesundem Gottver-trauen vollzogen und reproduzierte sie vor uns Hörem "mitdeutschen Worten". Nicht nur anti-pharisäisch, anti-dogmatisch war er, sondern auch anti-metaphysisch, durchausethisch und erkenntnistheoretisch gerichtet, ein Verkünderdes sittlich fundierten Persönlichkeitsideals und kräftigabhold der pietistischen Trennung von Welt und Frömmigkeit,vielmehr weltfromm, zu gesundem Genuss erbötig, ein Bejahender Kultur, - besonders der deutschen, denn bei jeder Gele-genheit entpuppte er sich als ein massiver Nationalist lu-therischer Prägung und konnte einem Manne nichts Grimmigeresnachsagen, als dass er "wie ein windiger Wal", d.h. wie einWelscher denke und lehre. Im Zorn und mit rotem Kopf fügteer dann wohl hinzu: "Dass ihn der Teufel bescheisse, Amen!",was wiederum mit grossem Getrampel bedankt wurde.

Sein Liberalismus nämlich, der ja nicht in dem humanisti-schen Zweifel am Dogma, sondern in dem religiösen Zweifel

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