nender Stimme und einer vom vielen Sprechen leicht vorgebäum-ten, zum Spritzen geneigten Unterlippe. Es ist wahr, dassKumpf gewöhnlich seinen Stoff nach einem gedruckten Lehrbuch,übrigens eigener Provenienz, vortrug; aber sein Ruhm waren diesogenannten "Ex-Pauken", die er, die Fäuste bei zurückgeraff-tem Gehrock in seinen senkrechten Hosentaschen, auf dem brei-ten Katheder hin und her stapfend, in die Lesung einschaltete,und die dank ihrer Spontaneität, Derbheit, gesunden Aufgeräumt-heit, auch wegen ihres pittoresk-altertümlichen Sprachstilesden Studenten ausserordentlich gefielen. Seine Art war es,um ihn selbst zu citieren, eine Sache "mit deutschen Worten"oder auch "auf gut alt-deutsch, ohn' einige Bemäntelung undGlejasnerei", das heisst deutlich und geradeaus, zu sagen und"fein deutsch mit der Sprache herauszugehen". Statt "allmäh-lich" sagte er "weylinger Weise", statt "hoffentlich" : "ver-hoffentlicht" und sprach von der Bibel nicht anders als vonder "Heiligen Geschrift". Er sagte: ” Es gehet mit Kräuternzu", wenn er meinte "mit Unrechten Dingen". Von Einem, derseiner Meinung nach in wissenschaftlichen Irrtümern befangenwar, sagte er: "Er wohnt in der Fehlhalde"; von einem laster-haften Menschen: "Er lebt auf den alten Kaiser hin wie eineViehe" und liebte sehr Sprüche wie: "Wer kegeln will, mussaufsetzen", oder: "Was zur Hessel werden soll, brennt beiZeiten". Ausrufe wie "Potz Blut!", "Potz Strahl!", "Potzhundert Gift" oder auch "Potz Fickerment!" waren keine Selten-heit in seinem Munde, und dieses letzte rief regelmässig Bei-fallsgetrampel hervor.
Theologisch gesehen, war Kumpf ein Vertreter jenes Ver-mittlungs-Konservativismus mit kritisch-liberalen Einschlä-gen, von dem ich sprach. In seiner Jugend war er, wie eruns in seinen peripathetischen Extempore’s erzählte, ein hel-licht begeisterter Student unserer klassischen Dichtung undPhilosophie gewesen und rühmte sich, alle "wichtigeren" Werke
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