Wie gern hörte ich dieses Kolleg an Adrians Seite. Dietheologischen, die ich - nicht regelmässig - um seinetwillenbesuchte, waren für mich ein zweifelhafteres Vergnügen, undnur, um nicht abgeschnitten zu sein von dem, was ihn beschäf-tigte, nahm ich hospitierend daran teil. Im Studienplan einesTheologie-Studenten liegt in den ersten Jahren das Schwerge-wicht auf den exegetischen und historischen Fächern, alsoauf Bibelwissenschaft, Kirchen- und Dogmengeschichte, Konfes-sionskunde; die mittleren gehören der Systematik, will sagen:der Religionsphilosophie, der Dogmatik, Ethik und Apologetik,und am Ende stehen die praktischen Disziplinen, das heisst:Liturgik, Predigtlehre, Katechetik, Seelsorge und Ekklesia-stik nebst Kirchenreclrt. Aber die akademische Freiheit lässtder persönlichen Vorliebe viel Spielraum, und von der Lizenz,die Reihenfolge auch einmal umzuwerfen, machte Adrian Gebrauch,indem er sich von Anfang an auf die Systematik warf, - ausallgemein geistigem Interesse gewiss, dass in diesem Fach ammeisten auf seine Rechnung kommt, dann aber auch, well derSystematik lesende Professor, Ehrenfried Kumpf, der saftig-ste Sprecher an der ganzen Hochschule war und überhaupt dengrössten Zulauf von Studenten aller Jahrgänge, auch von nicht-theologischen hatte. Ich sagte ja zwar, dass wir bei KegelKirchengeschichte hörten, aber das waren vergleichsweisetrockene Stunden, und mit Kumpf konnte der monotone Kegelkeineswegs wetteifern.
Jener war durchaus das, was die Studenten eine "wuchtigePersönlichkeit" nannten, und auch ich konnte mich einer ge-wissen Bewunderung seines Temperamentes nicht entschlagen,liebte ihn aber garnicht und habe niemals glauben können, dassnicht auch Adrian öfters von seiner Herzhaftigkeit solltepeinlich berührt gewesen sein, obgleich er ihn nicht offenironisierte. "Wuchtig" war er schon seiner Physis nach: eingrosser, massiger, voller Mann mit gepolsterten Händen, dröh-
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