Tor der Schule sich hinter uns echLiesst, das Stadtgehäuse,in dem wir herangezogen worden, sich auftut und die Welt unsoffen liegt, der glücklichste oder doch der erregend erwar-tungsvollste in unser aller Lehen? Durch seine musikalischenAusflüge mit Wendell Kretzschmar in grössere Nachbarstädtehatte Adrian ein paarmal am weltlichen Draussen im Voraus ge-nippt; nun sollte Kaisersaschern, die Stadt der Hexen und Son-derlinge, des Instrumentenlagers und des Kaisergrabes im Dom,ihn endgültig entlassen und nur noch besuchsweise, lächelndwie einer, der anderes kennt, sollte er wieder in ihren Gas-sen wandeln.
War es so? Hat Kaisersaschern ihn jemals freigegeben?
Hat er es nicht mit sich genommen, wohin immer er ging, undist er nicht von ihm bestimmt worden,wann immer er zu bestim-men glaubte? Was ist Freiheit! Nur das Gleichgültige istfrei! Das Charakteristische ist niemals frei, es ist geprägt,determiniert und gebunden. War es nicht "Kaisersaschern",was aus meines Freundes Entschluss sprach, Theologie zu stu-dieren? Adrian Leverkühn -und diese Stadt, - gewiss, das er-gab zusammen wohl Theologie; nachträglich fragte ich mich,was ich denn sonst erwartet hatte. Er widmete sich späterder Komposition. Aber wenn es sehr kühne Musik war, die erschrieb, - war es etwa "freie" Musik, Allerweltsmusik? Daswar es nicht. Es war die Musik eines nie Entkommenen, war bisin die geheimste genialisch-skurrile Verflechtung hinein, injedem Kryptenhall und -hauch, der davon ausging, charakteri-stische Musik, Musik von Keisersaschern. -
Er war, sage ich, sehr aufgeräumt damals, und wie dennnicht! Vom mündlichen Examen auf Grund der Reife seinerschriftlichen Arbeiten dispensiert, hatte er sich mit Dankfür alle Förderung»von seinen Lehrern verabschiedet, bei denender Respekt vor der Fakultät, die er erwählte, die geheimeKränkung zurückdrängte, die seine geringschätzige Mühelosig-
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