scheinen, und vergebens hatte ich mich immer nach einer unge-sehen, bei deren praktischer, gewerbsmässiger Ausübung ich ihnmir recht vorstellen konnte. Der Ehrgeiz, den ich für ihn heg-te, war absolut, und dennoch fuhr mir ein Schrecken ins Gebeinbei der Einsicht - der sehr deutlichen Einsicht -, dass erseinerseits seine Wahl aus Hochmut getroffen hatte.
Gelegentlich hatten wir uns wohl darüber geeinigt, oderrichtiger: waren der oft geäusserten Ansicht beigetreten,dass die Philosophie die Königing der Wissenschaften sei.
Sie nehme, hatten wir festgestellt, unter ihnen ungefähr ei-nen Platz ein wie die Orgel unter den Instrumenten. Sie über-blicke sie, fasse sie geistig zusammen, ordne und läuteredie Ergebnisse aller Forschungsgebiete zum Weltbilde, zu ei-ner überherrschenden und massgebenden, den Sinn des Lebenserschliessenden Synthese, zur schauenden Bestimmung der Stel-lung des Menschen im Kosmos. Mein Nachdenken über die Zu-kunft meines Freundes, über einen "Beiruf" für ihn hatte michimmer zu ähnlichen Vorstellungen geführt. Sein vielseitigesStreben, wie es mich auch ängstlich um seine Gesundheit mach-te, sein von kommentierender Kritik begleiteter Erfahrungs-drang, rechfertigten solche Träume. Das Universellste, dieExistenzform eines souveränen Polyhistors und Weltweisenwar mir eben recht für ihn erschienen, und - weiter hatte mei-ne Einbildungskraft mich nicht geführt. Nun musste ich erfah-ren, dass er seinesteils im Stillen weiter gegangen war, dasser unter der Hand, ohne sich freilich die Miene davon zu ge-ben - denn er äusserte seinen Entschluss in sehr ruhigen, un-scheinbaren Worten - meinen Freundesehrgeiz überboten und be-schämt hatte.
Wenn man so will, gibt es ja eine Disziplin, in welcherdie Königin Philosophie selbst zur Dienerin, zur Hilfswissen-schaft, akademisch gesprochen zum "Nebenfach" wird, und dasist die Theologie. Wo die Weisheitsliebe sich zur Anschauung
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