fene, als dass er nicht darauf hätte hrennen sollen, einenSchüler, der zu hören wusste wie Adrian, in diese gestaltungs-volle, an Stilen, Nationalcharaktern, Traditionswerten undPersönlichleitsreizen, historischen und individuellen Ab-wandlungen des Schönheitsideals unerschöpflich reiche Welteinzuführen: durch Vorspielen am Klavier, versteht sich -ganze Unterrichtsstunden, und zwar unbekümmert verlängerteUnterrichtsstunden, gingen einfach damit hin, dass Kretzsch-znar dem Jüngling vorspielte, wobei er von einem zum andern,vom Hundertsten ins Tausendste kam, hineinschreiend, kommen-tierend, charakterisierend, wie wir es von seinen *'gemein-nützigen” Vorträgen her kennen, - man konnte in der Tat nichtfesselnder, eindringlicher, lehrreicher vorgespielt bekommen.
Ich brauche kaum darauf hinzuweisen, dass die Gelegenhei-ten, Musik zu hören, für einen Bewohner von Kaisersaschernausserordentlich spärlich waren. Wir hätten, wenn ich vonden kammermusikalischen Unterhaltungen bei Nikolaus Lever-kühn und den Orgelkonzerten im Dom absehe, praktisch keineGelegenheit dazu gehabt, denn höchst selten verirrte ein fah-render Virtuos oder ein auswärtiges Orchester mit seinem Di-rigenten sich in unser Städtchen. Hier sprang nun Kretzsch-mar ein und sättigte mit seinem lebendigen Vorspielen, wennauch nur vorläufig und andeutend, ein teils unbewusstes, teilsuneingestandenes Bildungsverlangen meines Freundes, - so aus-giebig, dass ich von einer Sturzwelle musikalischen Erlebenssprechen möchte, die damals seine junge Rezeptivität über-schwemmte. Nachher kamen Jahre der Verleugnung und Dissimu-lation, wo er viel weniger Musik aufnahm, als damals, obgleichsich weit günstigere Gelegenheit dazu bot.
Ss begann sehr natürlich damit, dass der Lehrer ihm an Wer-ken von Clementi, Mozart und Haydn den Bau der Sonate demon-strierte. Aber nicht lange, so kam er von dieser auf dieOrchester-Sonate, die Symphonie und führte nun in der Klavier-
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