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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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- Durch asketische, würde Kretzschmar sagen, erwiderte er, -durch asketische Abkühlung. Darin war Vater Beissel sehr echt.Die Musik tut immer im Voraus geistig Busse für ihre Versinn-lichung. Die alten Niederländer haben ihr zu Gottes Ehren dievertracktesten Kunststücke auferlegt, und es ging hart auf hartdabei her nach allem, was man hört, höchst unsinnlich und reinrechnerisch ar^eklügelt. Aber dann haben sie diese Bussübun-gen singen lassen, sie dem tönenden Atem der Menschenstimmeüberliefert, die denn doch wohl das stallwärmste Klangmaterialist, das sich erdenken lässt...

- Meinst du?

- Wie soll ich das nicht meinen! An Stallwärme gar nicht

zu vergleichen mit irgend einem anorganischen Instrumentalklang.Abstrakt mag sie sein, die menschliche Stimme, - der abstrakteMensch, wenn du willst. Aber das ist eine Art von Abstraktheit,ungefähr, wie der entkleidete Körper abstrakt ist, - es ist jabeinahe ein pudendum.

Ich schwieg betroffen. Meine Gedanken führten mich weitzurück in unserem, in seinem Leben.

- Da hast du sie, sagte er, deine Musik. (Und ich ärgertemich über seine Ausdrucksweise, die darauf ausging, mir dieMusik zuzuschieben, als ob sie mehr meine Sache gewesen wäre,als seine.) - Da hast du sie ganz, so war sie immer. IhreStrenge, oder was du den Moralismus ihrer Form nennen magst,muss als Entschuldigung herhalten für die Berückungen ihrerKlangwirklichkeit.

Einen Augenblick fühlte ich mich als der Ältere, Reifere.

- Einem Lebensgeschenk, erwiderte ich, - um nicht zu sagen:einem Gottesgeschenk, wie der Musik, soll man nicht Antinomie-en höhnisch nachweisen, die nur von der Fülle ihres Y/esensZeugnis geben. Man soll sie lieben.

- Hältst du die Liebe für den stärksten Affekt? fragte er.

- Weisst du einen stärkeren?

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