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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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- Lass mir, sagte er, während wir, die Hände in unserenManteltaschen, im Winternebel, der die Gaslaternen umspann,zwischen unseren Wohnungen hin und wider gingen, - lass mirden Kauz in Frieden, ich habe was für ihn übrig. Wenigstenshatte er Ordnungssinn, und sogar eine alberne Ordnung istimmer noch besser, als gar keine.

- Du willst nicht im Ernst, antwortete ich, ein so absur-des Ordnungsdiktat, einen so kindischen Rationalismus inSchutz nehmen, wie die Erfindung der Herren und Diener. Stel-le dir vor, wie diese Beissel-Hymnen geklungen haben, in de-nen auf jede betonte Sylbe ein Ton des Dreiklangs fallenmusste!

- Jedenfalls nicht sentimental, erwiderte er, sondern strenggesetzmässig, und das lob 1 ich mir. Tröste dich damit, dass

ja der Phantasie, die du natürlich hoch über das Gesetz stellst,reichlicher Spielraum blieb bei freier Benutzung der "Diener-töne" *

Er musste lachen über das Wort, beugte sich vor im Gehenund lachte auf das feuchte Trottoir hinab.

- Komisch, sehr komisch ist es, sagte er. Aber eines wirstdu mir zugeben: Das Gesetz, jedes Gesetz, wirkt erkältend,

und die Musik hat soviel Eigenwärme, Stallwärme, Kuhwärme,möchte ich sagen, dass sie allerlei gesetzliche Abkühlungbrauchen kann - und auch selber immer danach verlangt hat.

- Daran mag etwas Wahres sein, gab ich zu. - Aber unserBeissel gibt am Ende kein schlagendes Beispiel dafür ab. Du-vergisst, dass sein ganz ungeregelter und dem Gefühl überlas-sener Rhythmus der Strenge seiner Melodie mindestens die Wagehielt. Und dann erfand er sich einen Gesangsstil - zur Deckehinauf und in seraphischem Falsett von dort herabschwebend -,der höchst berückend gewesen sein muss und gewiss der Musikalle "Kuhwärme" zurückgab, die er ihr vorher durch pedantischeAbkühlung genommen.

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