er kümmerte sich nicht darum. Diese Unwissenheit oder Rück-sichtslosigkeit aber kam ihm, wie nichts anderes, zustatten,denn der schwebende Rhythmus machte einige seiner Kompositio-nen, besonders die von Prosa, ausserordentlich effektvoll.
Dieser Mann bestellte das Feld der Musik, da er es einmalbetreten, mit derselben Hartnäckigkeit, mit der er jedes seinerZiele verfolgte. Seine Gedanken zur Theorie sammelte er undgab sie dem Buche von der "Turteltaube" als Vorwort mit. Erversah in ununterbrochener Arbeit sämtliche Poesien des "Weyh-rauchhügels" mit Tönen, manche von ihnen zwei- und dreimal,und komponierte alle Hymnen, die er selbst jemals geschrieben,dazu eine Menge derer, die von seinen Schülern und Schüler-innen stammten. Nicht genug damit, schrieb er eine ReiheumfangreichererChöre, deren Texte unmittelbar der Bibel entnom-men waren. Es schäl, als sei er im Begriffe, die ganze Hei-lige Schrift nach eigenem Rezept in Musik zu setzen; durchauswar er der Mann, einen solchen Gedanken ins Auge zu fassen.
Wenn es nicht dazu kam, so nur darum, weil er einen grossenTeil seiner Zeit der Ausführung des Geschaffenen, der Vortrags-kultur, dem Gesangsunterricht widmen musste, - und hierin nunerzielte er das schlechthin Ausserordentliche«
Die Musik von Ephrata, sagte uns Kretzschmar, sei zu unge-wöhnlich, zu wunderlich-eigenwillig gewesen, um von der Aussen-welt übernommen werden zu können, und darum sei sie in prak-tische Vergessenheit gesunken, als die Sekte der deutschenBaptisten vom Siebenten Tage zu blühen aufgehört habe. Abereine leicht sagenhafte Erinnerung daran habe sich doch durchdie Jahrzehnte erhalten, und ungefähr lasse sich aussprechen,wie so ganz eigentümlich und ergreifend es damit gewesen.
Die vom Chore dringenden Töne hätten zarte Instrumental-Musiknachgeahmt und den Eindruck einer himmlischen Sanftmut undFrömmigkeit in dem Hörer hervorgerufen. Das Ganze sei imFalsett gesungen worden, und die Sänger hätten kaum dabei
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