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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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stischer Weyrauchhügel" im Druck erschienen. Es waren dieskleinere Sammlungen, die einige Jahre später, vermehrt und ver-bessert zu dem offiziellen Gesangsbuch der Täufer des Sieben-ten Tages von Ephrata unter dem süss-traurigen Titel "Das Ge-sang der einsamen und verlassenen Turtel-Taube, nemlich derChristlichen Kirche" zusammengefasst wurden. Gedruckt und wie-dergedruckt, bereichert durch mitentzündete Glieder der Sekte,einsame sowohl wie vermählte, Männer und noch mehr Frauen, wech-selte das Standard-Werk den Titel und hiess auch wohl einmal"Paradiesisches Wunderspiel". Es umfasste schliesslich nichtweniger als 770 Hymnen, darunter solche von gewaltiger Stro-phenzahl,

Die Lieder waren bestimmt, gesungen zu werden, ermangeltenaber der Noten. Es waren neue Texte zu alten Melodien, undso wurden sie Jahre lang von der Gemeinde benutzt. Da kameine neue Eingebung und Heimsuchung über Johann Conrad Beissel.Der Geist nötigte ihn, zu der Rolle des Dichters und Prophe-ten diejenige des Komponisten an sich zu reissen.

Seit kurzem gab es einen jungen Adepten der Tonkunst zuEphrata, Herr Ludwig geheissen, der Singschule hielt, undBeissel liebte es, seinem musikalischen Unterricht als Zuhörerbeizuwohnen. Er musste dabei die Entdeckung gemacht haben,dass die Musik zur Ausdehnung und Erfüllung des geistlichenReiches Möglichkeiten bot, von denen der junge Herr Ludwigsich wenig träumen liess. Der Beschluss des sonderbaren Man-nes war rasch gefasst. Nicht mehr der Jüngste, schon hochin den Fünfzigern, machte er sich daran, eine eigene, für sei-ne besonderen Zwecke brauchbare Musik-Theorie auszuarbeiten,stellte den Singlehrer kalt und nahm selbst die Sache in festeHand - mit solchem Erfolg, dass er binnen kurzem die Musikzum wichtigsten Element im religiösen Leben der Siedlungmachte.

Die Mehrzahl der aus Europa überkommenen Choral-Melodien

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