zu fliehen und war nach Amerika ausgewandert, wo er an ver-schiedenen Orten, in Germantown und Conestoga, eine Weile dasHandwerk eines Webers geübt hatte. Dann aber war ein neuerSchub religiöser Ergriffenheit über ihn gekommen, und er wardem inneren Rufe gefolgt, in der Wildnis als Klausner ein völ-lig einsames, karges und nur auf Gott bedachtes leben zu führen.Wie es nun aber geht, dass gerade Menschenflucht wohl denFlüchtling ins Menschliche verflicht, so hatte er sich baldvon einer Schar bewundernder Gefolgsleute und Nachahmer seinerAbsonderung umgeben gesehen, und, statt der Welt ledig zuwerden, war er unversehens und im Handumdrehen zum Haupt einerGemeinde geworden, die sich rasch zu einer selbständigen Sekte,der"Wiedertäufer des Siebenten Tages" entwickelt hatte, und derer umso bedingungsloser gebot, als er s-eines Wissens Führer-schaft niemals angestrebt hatte, sondern wider Wunsch und Ab-sicht dazu berufen worden war.
Nie hatte Beissel eine nennenswerte Bildung genossen, aberdes Lesens und Schreibens hatte der Erweckte sich im Selbst-unterricht mächtig gemacht, und da sein Gemüt von mystischenGefühlen und Ideen wogte, so geschah es, dass er hauptsäch-lich als Schriftsteller und Dichter sein Führeramt ausübteund die Seelen der Seinen speiste: ein Strom didaktischer Pro-sa und geistlicher Lieder ergoss sich aus seiner Feder zurErbauung der Brüder und Schwestern in stillen Stunden und zurBereicherung ihres Gottesdienstes. Sein Stil war verstiegenund kryptisch, beladen mit Metaphern, dunklen Anspielungenauf Stellen der Schrift und einer Art von erotischem Symbolis-mus. Ein Traktat über den Sabbath, "Mystyrion Anomaliaö* undeine Sammlung von 99 "Mystischen und sehr geheymen Sprüchen"machten den Anfang. Auf dem Fusse folgten ihnen eine Reihevon Hymnen, die nach bekannten europäischen Choralmelodienzu singen waren und unter solchen Titeln wie "Göttliche Liebes-und Lobesgethöne", "Jacobs Kampf- und Ritterplatz" und "Zioni-
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