entgegenbrachte. Es wareein augenscheinliches Interesse aneiner Disziplin, in der ich mich wenig hervortat, der Mathema-tik. Meine eigene Schwäche auf diesem Felde, die nur durchfreudige Tüchtigkeit im Philologischen leidlich kompensiertwurde, liess mich so recht erkennen, dass vortreffliche Lei-stlingen auf einem Gebiet natürlicherweise durch die Sympathiemit dem Gegenstand bedingt sind, und darum war es mir eine wah-re Wohltat, diese Bedingung wenigstens hier auch bei meinemFreunde erfüllt zu sehen. Es nimmt ja die Mathese, als ange-wandte Logik, die sich dennoch im rein und hoch Abstraktenhält, eine eigentümliche Mittelstellung zwischen den humani-stischen und den realistischen Wissenschaften ein, und aus denErläuterungen, die Adrian mir gesprächsweise von dem Vergnügengab, das sie ihm bereitete, ging hervor, dass er diese Zwi-schenstellung zugleich als erhöht, dominierend, universellempfand, oder, wie er sich ausdrückte, als "das Wahre". Eswar eine Herzensfreude, ihn etwas als "das Wahre" bezeichnenzu hören, es war ein Anker, ein Halt, nicht ganz vergebensmehr fragte man sich nach der "Hauptsache". "Du bist ein Bä-renhäuter", sagte er damals zu mir, "das nicht zu mögen.Ordnungsbeziehungen anzuschauen ist doch schliesslich dasbeste. Die Ordnung ist alles. Hörner dreizehn: ‘Was von Gottist, das ist geordnet*"* Er errötete, und ich sah ihn grossan. Es stellte sich heraus, dass er religiös war.
Bei ihm musste alles sich erst "herausste11en", bei allemmusste man ihn betreffen, überraschen, ertappen, ihm hinterdie Briefe kommen, - und dann errötete er, während man selbstsich hätte vor den Kopf schlagen mögen, weil man das nichtlängst gesehen. Auch dabei, dass er über Pflicht und Nötigunghinaus Algebra trieb, zum Vergnügen die Logarithmentafel hand-habte, über Gleichungen zweiten Grades sass, bevor man noohvon ihm verlangt hatte, potenzierte Unbekannte zu identifi-zieren, auch dabei betraf ich ihn nur durch Zufall, und er
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