schliessen sollte und diese Absicht auch schon mit Ernst zu er-kennen gegeben hatte. Auch ich durfte mich einen guten Schü-ler nennen, aber ich war es nur und konnte es nur sein, weilehrerbietige Liebe zur Sache, besonders zu den alten Sprachenund ihren klassischen Dichtern und Schriftstellern meine Kräf-te aufrief und spannte, während er bei jeder Gelegenheit mer-ken liess - will sagen : er machte vor mir kein Hehl daraus,und ich fürchtete mit Recht, dass es auch den Lehrern nichtverborgen blieb - wie gleichgültig und sozusagen nebensächlichihm das ganze Schulwesen war. Dies ängstigte mich oft -nicht um seiner Karriere willen, die Dank seiner Facilitätungefährdet war, sondern weil ich mich fragte, was ihm dennalso nicht gleichgültig und nicht nebensächlich sei. Ich sahdie "Hauptsache" nicht, und wirklich war sie unerkennbar. Indiesen Jahren ist das Schulleben das Leben selbst; es stehtfür dieses; seine Interessen schliessen den Horizont, den je-des Leben braucht, um Werte zu entwickeln, an welchen, so re-lativ sie seien, der Charakter, die Fähigkeiten sich bewähren.Sie können das menschlicherweise aber nur, wenn die Relativi-tät unerkannt bleibt. Der Glaube an absolute Werte, illusio-när wie er immer sei, scheint mir eine Lebensbedingung. Mei-ne Freundes-Gaben dagegen massen sich an Werten, deren Relati-vität ihm offen zu liegen schien, ohne dass eine Bezugsmög-lichkeit sichtbar gewesen wäre, die sie als Werte herabgesetzthätte. Schlechte Schüler gibt es genug. Adrian aber bot dassinguläre Phänomen des schlechten Schülers in Primusgestalt.Ich sage, dass mich das ängstigte; aber wie imponierend, wieanziehend erschien es mir doch auch wieder, wie verstärktees meine Hingabe an ihn, der es freilich - wird man verstehen,warum? - auch etwas wie Schmerz, wie Hoffnungslosigkeit bei-mischte.
Ich will eine Ausnahme zulassen an der Regel ironischerGeringschätzung, die er den Gaben und Ansprüchen der Schule
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