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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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was wir ausgeteilt haben, und sollten wir schrecklicher büssenals wir gesündigt haben, so mag uns das Wort in den Ohren klin-gen, dass, wer da Wind sähet, Sturm ernten wird#

Weder Halle selbst, die Händelstadt, noch Leipzig, die Stadtdes Thomas-Kantors, noch Weimar oder selbst Dessau und Magde-burg sind also fern; aber Kaisersasehern, ein Bahnknotenpunkt,ist mit seinen 27000 Einwohnern durchaus sich selbst genug undfühlt sich, wie jede deutsche Stadt, als ein Kulturzentrum vongeschichtlicher Eigenwürde. Es nährt sich von verschiedenenIndustrien, wie Maschinen, Leder, Spinnereien, Armaturen, Che-mikalien und Mühlen, und besitzt zu seinem kulturhistorischenMuseum, das eine Kammer mit krassen Folter-Instrumenten aufweist,noch eine sehr schätzenswerte Bibliothek von 25000 Bändenund 5000 Handschriften, darunter zwei alliterierende Zauber-sprüche, die von einigen Gelehrten für noch älter erachtetwerden als die Merseburger, übrigens recht harmlos nach ihrerBedeutung, nichts als ein wenig Regenzauber anstrebend, inFuldaer Mundart. - Die Stadt war Bistum im 10. Jahrhundertund wiederum vom Anfang des zwölften bis ins vierzehnte. Siehat Schloss und Dom, und in diesem zeigt man das Grabmal Kai-ser Otto*s III., Sohnes der Adelheid und Gemahls der Theophano,der sich Imperator Romanorum und Saxonicus nannte, aber nicht,weil er ein Sachse sein wollte, sondern in dem Sinne, wie Scipioden Beinamen Africanus führte, also weil er die Sachsen besiegthatte. Als er im Jahre 1002 nach seiner Vertreibung aus demgeliebten Rom in Kummer gestorben war, wurden seine Reste nachDeutschland gebracht und im Dom von Kaisersaschern beigesetzt -sehr gegen seinen Geschmack, denn er war das Musterbeispieldeutscher Selbst-Antipathie und hatte sein Leben lang schamvollunter seinem Deutschtum gelitten.

Es ist über die Stadt, von der ich nun doch lieber in derVergangenheit spreche, da es ja da3 Kaisersaschern unseres Ju-genderlebnisses ist, von dem ich rede, - es ist von der Stadt

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