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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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grundsätzlich mit derselben, nicht noch einmal zu kennzeich-nenden Gebärde aufnahm, mit der er unter dem Lindenbaum dieErfahrung beantwortet hatte, dass neun Takte horizontaler Me-lodie, wenn sie zu dritt vertikal übereinander zu stehen kom-men, einen Körper harmonischer Stimmigkeit ergeben mögen.

Sein Lehrer konnte etwas Latein, er brachte es ihm bei underklärte dann, der Junge - zehn Jahre alt - sei, wenn nichtfür die Quarta, so doch für die Quinta reif. Sein Geschäftsei beendet.

So verliess denn Adrian zu Ostern 1895 sein Elternhaus undkam in die Stadt, um unser Bonifatius-Gymnasium (eigentlich"Schule der Brüder vom gemeinen Leben") zu besuchen. Ihn insein Haus aufzunehmen, erklärte sein Onkel, der Bruder seinesVaters, Nikolaus Leverkühn, ein ansehnlicher Bürger von Kai-sersaschern, sich bereit.

VI

Was denn meine Vaterstadt an der Saale betrifft, so sei derAusländer bedeutet, dass sie otwas südlich von Halle, gegen dasThüringische hin, gelegen ist. Fast hätte ich gesagt, dasssie dort gelegen habe, - denn durch langes Entferntsein vonihr ist sie mir in die Vergangenheit entrückt. Aber ihreTürme erheben sich ja noch immer am selben Platz, und ichwüsste nicht, dass bis jetzt ihr architektonisches Bild durchdie Unbilden des Luftkrieges irgendwelchen Schaden gelittenhätte, was um seiner historischen Reize willen auch im höchstenGrade bedauerlich wäre. Mit einer gewissen Gelassenheit fügeich dies hinzu, denn mit einem nicht geringen Teil unserer Be-völkerung, auch der am schwersten betroffenen und heimatlosgemachten, teile ich die Empfindung, dass wir nur empfangen,

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