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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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Knabe auch mit seinen Eltern an dem sonntäglichen Gottesdienstin der Dorfkirche von Oberweiler teilnahm, zu welchem ein jun-ger Musikschüler aus Weissenfeis herüberzukommen pflegte, umdem Gemeindegesang auf der kleinen Orgel zu präludieren, ihnzu begleiten und auch den Auszug der Andächtigen aus der Kirchenoch mit zaghaften Improvisationen zu begehen. Aber dabei warich fast niemals zugegen, da wir allermeist erst nach Beendi-gung des Gottesdienstes auf Buchei eintrafen, und ich kann nursagen, dass ich nie ein Wort von Adrian gehört habe, aus demsich hätte schliessen lassen, sein junger Sinn sei von den Dar-bietungen jenes Adepten irgendwie berührt gewesen, oder, wenndas nicht gut möglich war, das Phänomen der Musik selbst, alssolches, sei ihm überhaupt auffällig geworden. Soviel ichsehe, hat er ihm damals noch, und noch durch Jahre hin, jedeAufmerksamkeit versagt und es vor sich selbst verborgen gehal-ten, dass er mit der Welt des Klanges irgend etwas zu schaffenhabe. Ich sehe darin seelische Zurückhaltung; auch eine phy-siologische Deutung ist wohl heranzuziehen; denn tatsächlichwar es um sein vierzehntes Jahr, zur Zeit beginnender Pubeszenzalso und des Heraustretens aus dem Stande kindlicher Unschuld,im Hause seines Oheims zu Kaisersaschern, dass er auf eigeneHand begann, mit der Musik pianistisch zu experimentieren.Übrigens war dies auch die Zeit, in der die ererbte Migräne an-fing, ihm böse Tage zu machen.

Die Zukunft seines Bruders Georg war durch seine Eigenschaftals Erbe des Hofes klar gegeben, und von Anbeginn lebte erdenn auch in völliger Harmonie mit seiner Bestimmung. Was ausdem Zweitgeborenen werden würde, war für die Eltern eine offe-*ne Frage, die sich nach den Neigungen und Fähigkeiten entschei-den musste, die er an den Tag legen würde; und da war es dennbemerkenswert, wie früh sich in den Köpfen der Seinen und un-ser aller die Vorstellung festsetzte, dass Adrian ein Gelehr-ter werden müsse. Welche Art von Gelehrter, das stand noch

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