lange dahin, aber der moralische Gesamthabitus schon des Kna-ben, seine Art sich auszudrücken, seine formale Bestimmtheit,selbst sein Blick, sein Gesichtsausdruck, liessen zum Beispielauch meinem Vater nie einen Zweifel daran, dass dieser Sprossam Stamme der Leverkühns zu "etwas Höherem" berufen sei undder erste Studierte seines Geschlechtes sein werde.
Für die Entstehung und Befestigung dieser Idee war die,fast möchte man sagen: überlegene Leichtigkeit entscheidend,mit der Adrian den Elementar-Schulunterricht absorbierte, dener im Elternhause empfing. Jonathan Leverkühn schickte seineKinder nicht in die dörfliche Trivialschule. Ich glaube,dass dafür nicht sowohl soziales Selbstbewusstsein, als derernstliche Wunsch entscheidend war, ihnen eine sorgfältigereErziehung zuzuwenden, als sie beim Gemeinschaftsunterrichtmit den Kätnerkindern von Oberweiler hätten empfangen können.
Der Schullehrer, ein noch junger und zarter Mensch, der nie auf-hörte, sich vor dem Hunde Suso zu fürchten, kam nachmittags,wenn er seine amtlichen Pflichten erfüllt hatte, im Winter vonThomas mit dem Schlitten geholt, zu ihrem Unterricht nach Bu-chei herüber und hatte dem dreizehnjährigen Georg beinaheschon alle Kenntnisse beigebracht, deren dieser als Grundlagezu seiner, weiteren Ausbildung bedurfte, als er den Elementar-unterricht des im achten Jchre stehenden Adrian in die Handnahm. Er denn nun aber, Lehrer Michelsen, war der Allererste,laut und mit einer gewissen Aufregung zu erklären, der Jungemüsse, "um Gotteswillen", auf das Gymnasium und auf die Uni-versität, denn ein so gelemiger und geschwinder Kopf sei ihm,Michelsen, noch nicht vorgekommen, und eine Schande würde essein, wenn man nicht alles täte, diesem Schüler den Weg zu denHöhen der Wissenschaft freizulegen. So oder ähnlich, etwasseminaristenhaft jedenfalls, drückte er sich aus und sprachsogar von "ingenium", teilweise gewiss, um mit dem Worte zuprunken, das sich in bezug auf so anfängliche Leistungen drol-
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