sondere, nie dagewesene Tragik in Anspruch zu nehmen, obgleichich weiss, dass es auch anderen Nationen schon auferlegt war,um ihrer eigenen und der allgemeinen Zukunft willen die Nie-derlage ihres Staates zu wünschen. Aber bei der Biederkeit, derGläubigkeit, dem Treue- und Ergebenheitsbedürfnis des deutschenCharakters möchte ich doch wahrhaben, dass das Dilemna in un-serem Palle eine einzigartige Zuspitzung erfährt, und kannmich tiefen Ingrimms nicht erwehren gegen diejenigen, die einso gutes Volk in eine seelische läge brachten, die ihm meinerÜberzeugung nach schwerer fällt als jedem anderen, und es ihmselber heillos entfremdet. Ich brauche mir nur vorzustellen,dass meine Söhne durch irgend einen unglücklichen Zufall mitdiesen meinen Aufzeichnungen bekannt würden und also genötigtwären, mich in spartanischer Verleugnung jeder weichlichenRücksicht der Geheimen Staatspolizei anzuzeigen, - -um, gerade-zu mit einer Art von patriotischem Stolz, die Abgründigkeitdes Konfliktes zu ermessen, in den wir geraten sind.
Vollkommen bin ich mir bewusst, mit obigem auch diesen neu-en Abschnitt schon wieder, den ich doch kürzer zu halten ge-dachte, bedenklich vorbelastet zu haben, wobei ich nicht denpsychologischen Verdacht, dass ich nach Verzögerungen und Um-schweifen geradezu suche, oder doch die Gelegenheit dazu mitheimlicher Bereitwilligkeit wahrnehme, weil ich mich vor demKommenden fürchte. Ich lege vor dem Leser einen Beweis mei-ner Ehrlichkeit ab, indem ich der Vermutung Raum gebe, dassich Umstände mache, weil ich insgeheim vor der Aufgabe zurück-schrecke, die ich, getrieben von Pflicht und Liebe, in Angriffgenommen. Aber nichts, auch die eigene Schwäche nicht, sollmich hindern, in ihrer Erfüllung fortzufahren, - indem ichdenn also an die Bemerkung wieder anknüpfe, dass es unser Ka-nonsingen mit der Stallhanne war, wodurch Adrian meines Wis-sens zuerst mit der Sphäre der Musik in Berührung gebrachtwurde. Freilich ist mir bekannt, dass er als heranwachs end-er
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