in die musikalische Zeit eingetreten war, um darin, wenn erdas zweite Stadium der Melodie erreicht hatte, von dem frischbeginnenden ersten abgelöst zu werden, welcher das grundtönig-klangmalerische Bim-bam-bum dem zweiten abgetreten hatte - undso fort. Der Part des Vierten von uns fiel notwendig mit demeines anderen zusammen, doch suchte er die Duplizität dadurchallenfalls aufzumuntern, dass er in der Oktave brummte; oderer begann schon vor dem ersten und sozusagen vor Tage mit demgrundierenden Geläut und betrieb dieses, beziehungsweise dasträllernd die vorigen Stadien der Melodie umspielende La-la-launverdrossen während der ganzen Dauer des Gesanges.
So aber waren wir denn immer in der Zeit auseinander, wäh-rend doch die melodische Gegenwart eines'jeden sich erfreulichzu der des andern verhielt und, was wir hervorbrachten, ein an-mutiges Gewebe, einen Klangkörper bildete, wie der "gleichzei-tige" Gesang es nicht war; ein Gefüge, dessen Stimmigkeit wiruns gefallen Hessen, ohne ihrer Natur und Ursache weiter nach-zufragen. Auch der acht- oder neunjährige Adrian tat das wohlnicht. Oder wollte das kurze, mehr spöttische als erstaunteAuflachen, das er vernehmen liess, wenn das letzte Bim-bam inden abendlichen lüften verklungen war, und das ich auch späterso gut an ihm kannte, - wollte es besagen, dass er die Mach-art dieser Liedchen durchschaute, die ja sehr einfach darin be-steht, dass der Anfang ihrer Melodie die zweite Stimme zur Se-quenz bildet und der dritte Teil beiden als Bass dienen kann?Keiner von uns war sich klar darüber, dass wir -uns da, angelei-tet von einer Stallmagd, auf einer vergleichsweise schon sehrhohen musikalischen Kulturstufe bewegten, in einem Bereich derimitatorischen Polyphonie, den das 15. Jahrhundert hatte ent-decken müssen, um uns unser Vergnügen zu verschaffen. Wenn ichaber an jenes Auflachen Adrians zurückdenke, so finde ich nach-träglich, dass es etwas von Wissen und moquanter Eingeweiht-heit hatte. Es ist ihm immer geblieben, oft habe ich es später
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