von ihm vernommen, wenn ich an seiner Seite in einem Konzertoder im Theater sass und irgend ein Kunst-Trick, ein geist-reicher, von der Menge nicht aufgefasster Vorgang im Innern dermusikalischen Struktur, eine feine seelische Anspielung im Dia-log des Dramas ihn frappierte. Damals passte es noch gar nichtzu seinen Jahren, war aber schon ganz dasselbe wie bei dem Er-wachsenen. Es war ein leises Ausstossen der Luft durch Mundund Nase bei gleichzeitigem Zurückwerfen des Kopfes, knapp,kühl, ja geringschätzig, oder höchstens so, als wollte er sa-gen: "Gut das, drollig, kurios, amüsant!" - Aber seine Augenmerkten eigentümlich auf dabei, suchten im Fernen, und ihremetallisch gesprenkelte Dämmerung verschattete sich tiefer.
V
Auch der eben geschlossene Abschnitt ist für meinen Geschmackviel zu sehr angeschwollen, und nur zu ratsam will es mir schei-nen, mich nach der ausharrenden Geduld des Lesers zu fragen.
Mir selbst ist jedes Wort brennend interessant, das ich hierschreibe, aber wie sehr muss ich mich davor hüten, dies alsGewähr für die Anteilnahme Unbeteiligter zu betrachten! Aller-dings sollte ich auch wieder nicht vergessen, dass ich nichtfür den Augenblick und nicht für Leser schreibe, die von Le-verkühn noch gar nichts wissen, also auch nicht begehren kön-nen, das Nähere über ihn zu erfahren} sondern dass ich dieseMitteilungen vorbereite für einen Zeitpunkt, wo die Vorausset-zungen für die öffentliche Aufmerksamkeit ganz andere, - mitSicherheit kann man sagen: viel günstigere sein werden, dieNachfrage nach den Einzelheiten dieses erschütternden Lebens,wie geschickt oder ungeschickt sie nun immer vorgetragen seinmögen, von unwählerischer Dringlichkeit sein wird.
47