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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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geschwächt hätte; denn wer hätte dieser zweite Sohn sein sol-len?

Ich habe über diesen ganzen, sich aufdrängenden Parallelis-mus mit Adrian niemals gesprochen; ich tat es frühe nicht undmochte es darum später nicht mehr tun; aber gefallen hat dieErscheinung mir niemals. Eine solche das Früheste wiederher-stellende Aufenthaltswähl, dieses sich Bergen im Ältest-Abge-lebten, der Kindheit, oder wenigstens ihren äusseren Umständen,mag von Anhänglichkeit zeugen, sagt aber doch Beklemmendesaus über eines.. Mannes Seelenleben. In Leverkühns Pall war esum so befremdender, als ich nie beobachtet habe, dass sein Ver-hältnis zum Elternhause besonders innig und gemütsbetont ge-wesen wäre, und er sich zeitlich schon, ohne sichtlichenSchmerz, davon löste. Handelte es sich bei jener künstlichen"Rückkehr um ein blosses Spiel? Ich kann es nicht glauben.Mich erinnert das alles vielmehr an einen Mann meiner Bekannt-schaft, der, obgleich äusserlich robust und bärtig, so zart-besaitet war, dass er, wenn er erkrankte - und er neigte zumKränkeln - nur von einem Kinderspezialisten behandelt seinwollte. Hinzu kam, dass der Doktor, dem er sich anvertraute,so klein von Person war, dass eine Erwachsenenpraxis ihm, ganzwörtlich gesprochen, nicht angemessen gewesen wäre und er ebennur Kinderarzt hatte werden können.

Es scheint mir ratsam, selbst festzustellen, dass dieseAnekdote von dem Mann mit dem Kinderarzt insofern eine Ab-schweifung darstellt, als weder der eine noch der andere indiesen Aufzeichnungen überhaupt je wieder Vorkommen wird.

Wenn das ein Fehler ist, und wenn es zweifellos schon ein Feh-ler war, dass ich, der Neigung zum Vorgreifen erliegend,schon hier auf Pfeiffering und die Schweigestills zu spre-chen kam, so bitte ich den Leser, solche Unregelmässigkeitender Aufregung zugute zu halten, die mich seit dem Beginn die-ses biographischen Unternehmens - und zwar nicht nur während

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