wirren und widersinnigen, dass sie auf nichts hinausliefen.
Mit einer gewissen Melancholie gab Jonathan dies auch zu, wenner uns die rätselhafte Abbildung zeigte. "Es hat sich", sagteer, "die Unmöglichkeit erwiesen, dem Sinn dieser Zeichen aufden Grund zu kommen. Leider, meine Lieben, ist dem so. Sieentziehen sich unserem Verständnis, und es wird schmerzlicher-weise dabei wohl bleiben. Wenn ich aber sage 'sie entziehensich', so ist das eben nur das Gegenteil von 'sich erschlie-ssen*, und dass die Natur diese Chiffern, zu denen uns derSchlüssel fehlt, der blossen Zier wegen auf die Schale ihresGeschöpfes gemalt haben sollte, redet mir niemand ein. Zierund Bedeutung liefen stets nebeneinander her, auch die altenSchriften dienten dem Schmuck und zugleich der Mitteilung.
Sage mir keiner, hier werde nicht etwas mitgeteilt! Lass eseine unzugängliche Mitteilung ist, in diesen Widerspruch sichzu versenken, ist auch ein Genuss."
Benachte er, dass, wenn es sich wirklich hier um eine Ge-heimschrift hätte handeln sollen, die Natur über eine eigene,aus ihr selbst geborene, organisierte Sprache verfügen müsste?Denn welche vom Menschen erfundene sollte sie wählen, um sichauszudrücken? Schon damals aber, als Knabe, begriff ich sehrdeutlich, dass die ausserhumane Natur von Grund aus illiteratist, was in meinen Augen eben gerade ihre Unheimlichkeit aus-macht .
Ja, Vater Leverkühn war ein Spekulierer und Sinnierer, undich sagte schon, dass ssin Forscherhang - wenn man von For-schung sprechen kann, wo es sich eigentlich nur um träumeri-sche Kontemplation handelte - sich immer in eine bestimmteRichtung neigte, nämlich die mystische oder eine ahnungsvollhalb-mystische, in die, wie mir scheint, der dem Natürlichennachgehende menschliche Gedanke fast mit Notwendigkeit gelenktwird. Dass nun gar das Unterfangen, mit der Natur zu laborie-ren, sie zu Phänomenen zu reizen, sie zu "versuchen", indem