Druckschrift 
Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
Seite
28
Einzelbild herunterladen
 

c, r(')- f' *' ';*., t v . *

wisse'Kegelsclanecken, reizend asymmetrische, in ein geädertes

i . > * T ;...., *V .. i

Blassrdsa oder weissgeflecktes Honigbraun getauchte Erscheinun-

;tri i

gen, waren wegen ihres G-iftbisses berüchtigt, - und überhauptwar, wenn man den Herrn des Bucheihofes hörte, eine gewisseAnrüchigkeit oder phantastische Zweideutigkeit von dieser gan-zen wunderlichen Sektion des Lebens nicht fernzuhalten. Einesonderbare Ambivalenz der Anschauung hatte sich immer indemsehr verschiedenartigen Gebrauche kund gegeben, den man ven denPrunkgeschöpfen machte. Sie hatten im Mittelalter zum stehen-den Inventar der Hexenküchen und Alchimisten-Gewölbe gehörtund waren als die passenden Gefässe für Gifte und Liebestrankebefunden worden. Andererseits und zugleich aber hatten siebeim Gottesdienst zu Muschelschreinen für Hostien und Reli-quien und sogar als Abendmahlskelche gedient,. Wievieles be-rührt sich hier - Gift und Schönheit, Gift und Zauberei, aberauch Zauberei und Liturgie. Wenn wir es nicht dachten, sogaben Jonathan Leverkühns Kommentare es uns doch unbestimmtzu empfinden.

Was nun jene Zeichenschrift betrifft, über die er sich garniemals beruhigen konnte, so fand sie sich auf der Schale ei-ner Neu-Kaledonisehen Muschel von mässiger Grösse und war aufweisslichem Grunde in leicht rötlich-brauner Farbe ausgeführt.Die Charaktere, wie mit dem Pinsel gezogen, gingen gegen denRand hin in reine Strich-Ornamentik über, hatten aber auf demgrösseren Teil der gewölbten Fläche in ihrer sorgfältigen Kom-pliziertheit das entschiedenste Ansehen von Verständigungs-malen. Meiner Erinnerung nach zeigten sie starke Ähnlichkeitmit früh-orientalischen Schriftarten, etwa dem alt-aramäischenDuktus, und tatsächlich musste mein Vater seinem Freunde ausder gar nicht übel versehenen Stadtbibliothek von Kaisersa-schern archäologische Bücher mitbringen, die die Möglichkeitder Nachforschung des Vergleiches boten. Selbstverständlichführten diese Studien zu keinem Ergebnis oder doch nur zu so

28