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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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III

Die Leverkühns waren ein Geschlecht von gehobenen Handwer-kern und Landwirten, das teils im Schmalkaldischen, teils inder Provins Sachsen, am Lauf der Saale blühte. Adrians engereFamilie sass seit mehreren Generationen auf dem zur Dorfgemein-de Oberweiler gehörigen Hofe Buchei, nahe Weissenfels, von die-ser Station, wohin man von Kaisersaschern in dreiviertelstün-diger Bahnfahrt gelangte, nur mit entgegengesandtem Fuhrwerkzu erreichen. Buchei war ein Bauerngut des Umfanges, der demBesitzer den Rang eines Vollspänners oder Vollhöfners verleiht,mit etlichen fünfzig Morgen Ackern und Wiesen, einem genossen-schaftlich bewirtschafteten Zubehör von Gemischwald und einemsehr behäbigen Wohnhause aus Holz- und Fachwerk, aber steiner-nen Unterbaues. Es bildete mit den Scheunen und Viehställenein offenes Viereck, in dessen Mitte, mir unvergesslich, einemächtige, zur Junizeit mit herrlich duftenden Blüten bedeckte,von einer grünen Bank umlaufene alte Linde stand. Dem Fuhr-verkehr auf dem Hofe mochte der schöne Baum ein wenig im Wegesein, und ich hörte, dass stets der Erbsohn in jungen Jahrenseine Beseitigung aus praktischen Gründen gegen den Vater ver-focht, um ihn eines Tages, als Herr des Hofes, gegen das Ansin-nen des eigenen Sohnes in Schutz zu nehmen.

Wie oft mag der Lindenbaum den frühkindlichen Tagesschlum-mer und die Spiele des kleinen Adrian beschattet haben, der,als im Jahre 1885 Blütezeit war, im Oberstock des Bucheihausesals zweiter Sohn des Ehepaars Jonathan und Elsbeth Leverkühngeboren wurde. Der Bruder, Georg, jetzt ohne Zweifel der Wirtdort oben, stand ihm um fünf Jahre voran. Eine Schwester,Ursel, folgte in dem gleichen Abstande nach. Da zu der Freund-und Bekanntschaft, die Leverkühns in Kaisersaschern besassen,auch meine Eltern gehörten, ja, zwischen unseren Häusern seitalters ein besonders herzliches Einvernehmen bestand, so ver-

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