brachten wir in der guten Jahreszeit manchen Sonntagnachmittagauf dem Vorwerk, wo denn die Städter sich der herzhaften Gabendes Landes, mit denen Frau LeVerkühn sie regalierte, des ker-nigen Graubrotes mit süsser Butter, des goldenen Scheibenho-nigs, der köstlichen Erdbeeren in Rahm, der in blauen Sattengestockten, mit Schwarzbrot und Zucker bestreuten Milch, dank-bar erfreuten. Zur Zeit von Adrians, oder Adri's, wie er ge-nannt wurde, erster Kinderzeit, sassen seine Grosseltern dortnoch auf dem Altenteil, während die Wirtschaft schon ganz inden Händen des jüngeren Geschlechtes lag und der Alte, übri-gens ehrerbietig angehört, sich nur noch am Abendtisch zahn-losen Mundes räsonierend in sie einmischte. Von dem Bildedieser Vorgänger, die bald fast gleichzeitig wegstarben, istmir wenig geblieben. Desto deutlicher steht mir dasjenigeihrer Kinder Jonathan und Elsbeth Leverkühn vor Augen, obgleiches ein Wandelbild ist und im Verlauf meiner Knaben- und Schü-ler-, meiner Studentenjahre mit jener wirksamen Unmerklichkeit,auf welche die Zeit sich versteht, aus dem Jugendlichen in mü-dere Phasen hinüberglitt.
Jonathan Leverkühn war ein Mann besten deutschen Schlages,
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ein Typ wie er in unseren Städten kaum noch begegnet und ge-wiss nicht unter denen zu finden ist, die heute unser Menschen-tum mit oft denn doch beklemmendem Ungestüm gegen die Weltvertreten, - eine Physiognomie, wie geprägt von vergangenenZeiten, gleichsam ländlich aufgespart und herübergebracht ausdeutschen Tagen von vor dem Dreissigjährigen Kriege. Das warmein Gedanke, wenn ich ihn, heranwachsend, mit schon halbwegszum Sehen gebildetem Auge betrachtete. Wenig geordnetes asqh-blondes Haar fiel in eine gewölbte, stark zweigeteilte Stirnmit vortretenden Schläfenadem, hing unmodisch lang und dickaufliegend in den Nacken und ging am wohlgebildeten, kleinenOhr in den gekrausten Bart über, der blond die Kinnbacken, dasKinn und die Vertiefung unter der Lippe bewuchs, Diese, die