in einer alt-städtischen Umgebung aufwucha, deren Erinnerungenund Baudenkmale weit in vorschismatisehe Zeiten, in einechristliche Einheitswelt zurückreichen. Zwar liegt Kaisers-aschern recht mitten im Heimatsbezirk der Reformation, im Her-zen der Luther-Gegend, welche die Städtenamen Eisleben, Witten-berg, Quedlinburg, auch Grimma, Wolfenbüttel und Eisenach um-schreiben, - was nun wieder aufschlussreich für das InnenlebenLeverkühns, des Lutheraners, ist und mit seiner ursprünglichenStudienrichtung, der theologischen, zusammenhängt. Aber die Re-formation möchte ich einer Brücke vergleichen, die nicht nur ausscholastischen Zeiten herüber in unsere Welt freien Denkens,sondern ebensowohl auch zurück ins Mittelalter führt - und zwarvielleicht tiefer zurück als eine von der Kirchenspaltung unbe-rührt gebliebene christ-katholische Überlieferung heiterer Bil-dungsliebe. Meinesteils fühle ich mich recht eigentlich in dergoldenen Sphäre beheimatet, in der man die Heilige Jungfrau"Jovis alma parens" nannte.
Um noch ferner das Notwendigste über meine vita niederzule-gen, so vergönnten meine Eltern mir den Besuch unseres Gymna-siums, derselben Schule, in der, zwei Klassen unter mir, auchAdrian seinen Unterricht empfing, und die, in der zweiten Hälf-te des 15. Jahrhunderts gegründet, noch bis vor kurzem den Na-men "Schule der Brüder vom gemeinen Leben" geführt hatte. Nuraus einer gewissen Verlegenheit vor dem überhistorischen undfür das neuzeitliche Ohr leicht komischen Klange dieses Namenshatte sie ihn abgelegt -und nannte sich nach der benachbartenKirche Bonifatius-Gymnasium. Als ich sie zu Anfang des lau-fenden Jahrhunderts verliess, wandte ich mich ohne Schwankendem Studium der klassischen Sprachen zu, in denen schon derSchüler sich in gewissem Grade hervorgetan, und oblag demsel-ben auf den Universitäten Giessen, Jena, Leipzig und, von 1904bis 1906, zu Halle, um dieselbe Zeit also, und nicht zufälligum dieselbe, als auch Leverkühn dort studierte.
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