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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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meine Mutter war eine fromme Tochter der Kirche, die ihren re-ligiösen Pflichten gewissenhaft nachkam, während mein Vater,wahrscheinlich schon aus Zeitmangel, sich darin laxer zeigte,ohne deshalb die Gruppen-Solidarität mit seinen Kultgenossen,die ^a auch ihre politische Tragweite hatte, im geringsten zuverleugnen. Bemerkenswert war, dass neben unserem Pfarrer,Geistl. Rat Zwilling, auch der Rabbiner der Stadt, Dr. Cale-bach mit Namen, in unseren über dem Laboratorium und der Apo-theke gelegenen Gasträumen verkehrte, was in protestantischenHäusern nicht leicht möglich gewesen wäre. Bas bessere Ausse-hen war auf Seiten des Mannes der römischen Kirche. Aber meinEindruck, der hauptsächlich auf Äusserungen meines Vaters be-ruhen mag, ist der geblieben, dass der kleine und langbärtige,mit einem Käppchen geschmückte Talmudist seinen andersgläubi-gen Amtsbruder an Gelehrsamkeit und religiösem Scharfsinnweit übertraf. Es mag mit an dieser Jugenderfahrung liegen,aber auch an der spürsinnigen Aufgeschlossenheit JüdischerKreise für das Schaffen Leverkühns, dass ich gerade in der Ju-denfrage und ihrer Behandlung unserem Führer und seinen Pala-dinen niemals voll habe zustimmen können, was nicht ohne Ein-fluss auf meine Resignation vom Lehrfach war. Freilich habenauch Exemplare jenes Geblütes meinen Weg gekreuzt - ich brau-che nur an den Privatgelehrten Breisacher in München zu denken-, auf deren verwirrend antipathisch.es Gepräge ich an gehöri-gem Ort einiges Licht zu werfen mir vornehme.

Was nun meine katholische Herkunft angeht, so hat sieselbstverständlich meinen inneren Menschen gemodelt und beein-flusst, jedoch ohne dass sich aus dieser Lebenstönung je einWiderspruch zu meiner humanistischen Weltanschauung, meinerLiebe zu den "besten Künsten und Wissenschaften", wie maneinstmals sagte, ergeben hätte. Zwischen diesen beiden Per-sönlichkeitselementen herrschte stets voller Einklang, wie erdenn wohl ohne Schwierigkeit zu bewahren ist, wenn man, wie ich,

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