vergleichsweise und legaliter gesunden Tagen letztwillig ver-macht hat, und auf die ich mich bei meiner Darstellung stützenwerde, ja, aus denen ich mit gebotener Auswahl einiges direktin dieselbe einzuschalten gedenke. letztens und erstens aber- und diese Rechtfertigung war noch immer die gültigste, wennnicht vor den Menschen, so doch vor Gott: ich habe ihn ge-liebt - mit Entsetzen und Zärtlichkeit, mit Erbarmen und hin-gebender Bewunderung - und wenig dabei gefragt, ob er im min-desten mir das Gefühl zurückgäbe.
Das hat er nicht getan, o nein. In der Verschreibung dernachgelassenen Kompositionsskizzen und Tagebuchblätter drücktsich ein freundlich-sachliches, fast möchte ich sagen: gnädi-ges und sicherlich mich ehrendes Vertrauen in meine Gewissen-haftigkeit, Pietät und Korrektheit aus. Aber lieben? Wenhätte dieser Mann geliebt? Einst eine Prau - vielleicht. EinKind zuletzt - es mag sein. Einen leichtwiegenden, jeden ge-winnenden Pant und Mann aller Stunden, den er dann, wahr-scheinlich eben weil er ihm geneigt war, von sich schickte -und zwar in den Tod. Wem hätte er sein Herz eröffnet, wenjemals in sein leben eingelassen? Das gab es bei Adriannicht. Menschliche Ergebenheit nahm er hin - ich möchteschwören: oft ohne sie auch nur zu bemerken. Seine Gleichgül-tigkeit war so gross, dass er kaum jemals gewahr wurde, was umihn her vorging, in welcher Gesellschaft er sich befand, unddie Tatsache, dass er sehr selten einen Gesprächspartner mitNamen anredete, lässt mich vermuten, dass er den Namen nichtwusste, während doch der andere ein gutes Recht zur Annahmedes Gegenteils hatte. Ich möchte seine Einsamkeit einem Ab-grund vergleichen, in welchem Gefühle, die man ihm entgegen-brachte, lautlos und spurlos untergingen. Um ihn war Kälte -und wie wird mir zumute, indem ich dies Wort gebrauche, dasauch er in einem ungeheuerlichen Zusammenhänge einst nieder-schrieb! Einzelnen Vokabeln können leben und Erfahrung einen
13