Pur einen Menschen wie mich ist es sehr schwer und mutet ihnfast wie Frivolität an, zu einem Gegenstand, der ihm lehensteu-er ist und ihm auf den Nägeln brennt, wie dieser, den Standpunktdes komponierenden Künstlers einzunehmen und ihn mit der spie-lenden Besonnenheit eines solchen zu bewirtschaften. Dahermein voreiliges Eingehen auf den Unterschied von lauterem undunlauterem Genie, einen Unterschied, dessen Bestehen ich aner-kenne, nur um mich gleich darauf zu fragen, ob er zu Recht be-steht. Tatsächlich hat das Erlebnis mich gezwungen, über diesesProblem so angestrengt, so inständig nachzudenken, dass es mirschreckhafterweise zuweilen schien, als würde ich damit überdie mir eigentlich bestimmte und zukömmliche Gedankenebene hin-ausgetrieben und erführe selbst eine "unlautere" Steigerung mei-ner natürlichen Gaben...
Ich breche aufs neue ab, indem ich mich daran erinnere, dassich auf das Genie und seine jedenfalls dämonisch beeinflussteNatur nur zu sprechen kam, um meinen Zweifel zu erläutern, obich zu meiner Aufgabe die nötige Affinität besitze. Möge dennnun gegen den GeWissensSkrupel geltend gemacht sein, was immerich dagegen ins Feld zu führen habe. Es war mir beschieden,viele Jahre meines Lebens in der vetrauten Nähe eines genialenMenschen, des Helden dieser Blätter, zu verbringen, ihn seitKinderzeiten zu kennen, Zeuge seines Werdens, seines Schicksalszu sein und an seinem Schaffen in bescheidener Helfersrolleteilzuhaben. Die librettistische Bearbeitung von ShakespearesKomödie "Verlorene Liebesmüh", leverkühns mutwilligem Jugend-werk, stammt von mir, und auch auf die textliche Zubereitungder grotesken Opernsuite "Gesta Romanorum" sowie des Oratori-ums "Offenbarung S. Johannis des Theologen" durfte ich Einflussnehmen. Das ist das eine, oder es ist bereits das eine und an-dere, Ich bin aber ferner im Besitz von Papieren, unschätzba-ren Aufzeichnungen, die der Heimgegangene mir und keinem ande-ren in gesunden Tagen, oder, wenn ich so nicht sagen darf, in
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